Über das Modul „Umgang mit Gefühlen“ der DBT Therapie

Umgang mit Gefühlen

Über das Modul „Umgang mit Gefühlen“ der DBT Therapie:

Borderline Patienten bzw. emotional instabile Persönlichkeiten haben besonders Schwierigkeiten in diesem Bereich. (Störung der Gefühls-Regulation).Die Gefühle, die sie haben (können positive wie negative bzw. angenehme wie unangenehme Gefühle sein) sind entweder zu heftig, oder sie dauern zu lange an. Um in einer Situation adäquat zu reagieren, ist es aber wichtig das sie wissen, das wir die Intensität der Gefühle steuern können. Oft wird aus der Impulsivität heraus gehandelt, was langfristig jedoch oft Konsequenzen für die Patienten hat und somit Probleme verursacht.

Wieso haben wir Gefühle? Wieso brauchen wir Gefühle?
– um mit anderen zu kommunizieren
– um lebendig zu sein
– bringen uns Informationen über unsere Umwelt
– um zu verstehen was mit uns / anderen los ist
– Empfindlichkeiten auszudrücken, Körperreaktionen, Mimik und Gestik
– Sie motivieren uns zum Handeln
– Sorgen dafür im sozialen Gefüge zu leben
– Geben komplexere Informationen über uns
– Zeigen uns was wir wollen oder nicht wollen (Bedürfnisbefriedigung)

Ziele des Moduls:
– Gefühle wahrzunehmen und zu beschreiben
– Weg von „positiven“ und „negativen“ Gefühlen zu „angenehmen und „unangenehmen“ Gefühlen.
– Die Bedeutung der Gefühle erkennen und ihre Auswirkungen verstehen lernen.
– Emotionale Verwundbarkeit verringern (siehe Skill ABC Gesund)
– Positiven Gefühlen mehr Raum geben
– Emotionales Leiden vermindern

Wichtig ist es, das man verstehen lernt, dass man nicht das Gefühl ist, sondern man ein Gefühl hat. Das bedeutet, das wir handeln können. Wir entscheiden ob wir einem Gefühl nachgeben, bzw. dem Handlungsimpuls folgen, oder wir erst mal das Gefühl abschwächen damit wir auf die Situation adäquat reagieren können.

Welche Skills gehören in dieses Modul?
– Gefühle abschwächen (durch die Benutzung der 4 Bereiche des emotionalen Netzes)
– Vorsicht Falle
– Fakten überprüfen
– Emotionssurfing
– ABC Gesund
– Glaubenssätze relativieren
– Problem lösen: Stop Denken

Emotionen …
– sind automatisierte Reaktionen auf innere und äußere Reize oder Informationen
– drängen uns auf etwas zu tun (Handlungsimpuls)
– sind kurz und rasch wechselnd / Stimmungen sind länger andauernd und stabiler.
– starke Emotionen entwickeln starken Handlungsimpuls bzw. -druck.
– beeinflussen andere Menschen durch Wiedergabe der Emotion in Mimik, Haltung und Gestik

Weitere interessante Infos:
– Gefühle sind sehr subjektiv, d.h. jeder kann die Emotion in einer Situation anders deuten, je nach seiner Vorerfahrung.
– Gefühle sollen kein Stempel bekommen – sonst kommt das vorherrschende Gefühl als „nicht stimmig“ rüber und ist das invalidierend.
– Es gibt bei Gefühlen kein richtiges oder falsches Gefühl!!!
– Bei Gefühlen, wenn man diese betrachtet ist man oft im bewerten
– Je mehr angenehme Situationen und Gefühle geschaffen werden, desto mehr Glückshormone werden im Körper ausgeschüttet.
– Das Gehirn ist auf Belohung aus.

Wie funktioniert unser emotionales Netz?
Evolutionstechnisch taucht zuerst:
1. das Gefühl, dann
2. die Körperreaktion, dann
3. der Gedanke zum Gefühl bzw. zur Situation auf.
Das ganze läuft aber in Millisekunden ab!

Durch das Denken kann man aber auch Gefühle beeinflussen.

Ein Gefühl bzw. eine Emotion die wir haben, löst in uns folgendes aus:
Es gibt 4 Komponenten.

a) Wahrnehmung:
Wir deuten die Dinge entsprechend des Gefühls. Das bedeutet z.B. das wenn man Angst hat, auch Dinge, die eigentlich harmlos sind uns als Bedrohung vorkommen.

Die Angst z.B. ist am Anfang diffus da. Sobald wir aber etwas sehen, wird dieser Gegenstand, diese Person für uns bedrohlich.

b) Denken:
Hier wird unser Gedächtnis abgerufen. Es werden alte, passende Erinnerungen zu diesem Gefühl abgerufen. Je stärker das Gefühl ist, desto stärker werden auch die Erinnerungen und desto mehr werden wir durch diese auch im Denken eingeengt.

Manchmal kann es sein das es auch erst später zu diesen Erinnerungen kommt; also das es Zeitverzögert ist.

c) Körperreaktionen:
Das können ganz unterschiedliche Reaktionen sein. Zum einen Muskeln, die sich z.B anspannen und sich dadurch die Körperhaltung verändert, Herzveränderungen (z.B. beschleunigter Puls), Atmung die sich beschleunigt oder verlangsamt, Schwitzen, Magen- und/ oder Darmprobleme,…

Wichtig ist dran zu denken das die nonverbale Kommunikation einen sehr großen Prozentsatz ausmacht. Auch das Denken beeinflusst bereits unsere Körperreaktionen!

d) Handlungsdrang:
Jedes Gefühl gibt uns ein Handlungsimpuls vor.

Ganz wichtig ist es sich bewusst machen, das es uns frei steht dem Handlungsimpuls, zu folgen oder wir bewusst anders handeln. Sei es ein Gefühl abschwächen oder entgegengesetz handeln!

Am Handlungsimpuls und den 3 anderen Komponenten (Wahrnehmung, Körperreaktion, Gedanken), erkenne ich welches Gefühl ich habe! Diese 4 Komponenten spielen immer eine Rolle wenn es um Gefühle geht.

Siehe anderer Beitrag von mir – als PDF Datei!!!

Wichtig ist auch zu wissen , dass man nicht dem Gefühl entgegengesetzt handelt, sondern dem Handlungsimpuls!

Die Intensität (Stärke des Gefühls) hängt davon ab, wie viele der 4 Komponenten (a-d) gleichzeitig aktiviert werden. Durch das entsprechende Handeln in den 4 Bereichen kann ich also ein Gefühl verstärken, bzw. abschwächen!!!

Ziel ist es sich dies bewusst zu machen. Okay, ich bin in Bezug auf meine Emotionen / Gefühle sehr instabil. Das ist ein Teil von meiner Persönlichkeit – mein wunder Punkt – dafür kann ich nichts. Ich muss aber lernen, das ich mich deshalb nicht auch noch selber fertig mache, mich bestrafe. Ich muss versuchen dem neutral gegenüber zu stehen und mit mir liebevoll versuchen umzugehen! ❤

Es ist wichtig das Gefühl nicht zu unterdrücken, nicht versuchen es „weg zu machen“. Es geht nur darum das man die Situation unter Kontrolle behält.
Ziel ist es nicht in etwas „passives“ zu verfallen, weil das Gefühl einen lähmt, nein es geht um das Handeln in abgeschwächter Form, damit das Handeln überhaupt noch möglich ist.
Passivität würde in eine Teufelsspirale führen und früher oder später zum sozialen Rückzug.

Merke:
Kontrolle über das Gefühl zu behalten zeigt Professionalität!
Dein Gegenüber kann nicht deine Gedanken lesen 😉 !!!

Unangenehme Gefühle verstärken erfolgt erstmals oft unbewusst. Wichtig ist sich das bewusst zu machen.
Kurzzeitig kann das Gefühl zugelassen werden (achtsames wahrnehmen und beobachten und beschreiben) aber die Zeit begrenzen um somit die Kontrolle darüber zu behalten.
Von Leid spricht man, wenn man sich ganz dem unangenehmen Gefühl hingibt und somit die Kontrolle über die Situation verliert, durch seine eigene Passivität.
„Emotionen sind wie Güterzüge, also Maschinen, die in eine bestimmte Richtung fahren und die man beladen kann. Mit was man sie belädt, das ist sehr unterschiedlich.“ (aus Infoblatt 8A, Umgang mit Gefühlen, Interaktives Therapieprogramm für Borderline-Patienten, Bohus/Wolf, Schattauer Verlag.) Das bedeutet, das Gefühle und ihre Handlungen auch durch soziale Umstände geformt werden.

Um das Gefühlsprotokoll zu verstehen hier, die Erläuterungen zum spezifischen Emotionsmodell:

typische Auslöser und Interpretationen:
– durch sie können Gefühle aktiviert werden
Die Auslöser sind uns nicht immer sofort bewusst.
– Nicht immer ist das Gefühl berechtigt. (Kann evtl. auch zum sekundären Gefühl gehören, das über ein Glaubenssatz – siehe auch Vorsicht Falle – aktiviert wurde.)

Körperreaktionen:
– viele Gefühle haben spezifische Körperreaktionen
– Es ist hilfreich die Körperreaktionen zu kennen. Dadurch lässt sich das vorhandene Gefühl rasch erkennen und so zügig (wenn nötig) durch entgegengesetzte Körperhaltung abschwächen.

Wahrnehmung:
– Das Gefühl steuert in gewissem Maße auch unsere Wahrnehmung und die Auswahl der Dinge, die wir dann nur noch sehen.
– Auch die Bedeutung, die wir den Dingen dann zumessen wird vom Gefühl und unseren Erfahrungen bestimmt.

Handlungsdrang:
– Ist der eigentliche Sinn des Gefühls.
– Häufig wird erst der Handlungsdrang oder der Handlungsimpuls wahrgenommen, bevor wir das Gefühl wahrnehmen.

Siehe auch meine PDF Datei: Gefühl & Handlungsimpuls

Ausdruck:
Das Gefühl steuert auch die Mimik und die Gestik.

Häufige Folgegefühl:
– Häufig lösen Gefühle auch automatische Gedanken aus, die uns oft nicht bewusst sind.
– Die Bewertungen die diese Gedanken uns aufdrängen führen häufig uns in ein sekundäres Gefühl (siehe auch Vorsicht Falle und Gefühlskarussell), was jedoch nicht mehr zur aktuelle Situation passt.

Es gibt 3 Möglichkeiten wie ein Gefühl uns zum Problem wird:
1. Das Gefühl gehört zum sekundären Netz, was wir über ein Glaubenssatz aktiviert haben. Das Gefühl passt somit nicht zur aktuellen Situation. Siehe Skill: Vorsicht Falle
2. Das Gefühl ist zwar berechtigt, aber zu intensiv. Das kann dazu führen, das wir nicht passend handeln können. Gefahr des Kontrollverlust. Abschwächen des Gefühls ist von Vorteil!
3. Das Gefühl ist gerechtfertigt, aber der Betroffene wehrt sich dagegen, die entsprechenden Konsequenzen zu tragen. Als Beispiel: Trauer wird blockiert. Das wirkt jedoch nur kurzzeitig. Evtl. bricht so eine Depression irgendwann aus.

Wann ist das Gefühl gerechtfertigt?Ein Gefühl ist immer eine subjektive Angelegenheit und die Empfindung variiert von Person zu Person, je nach deren Vorerfahrungen.

Ich muss überprüfen:
1. ob ich das Gefühl unter Kontrolle habe?
2. gehört das Gefühl zur aktuellen, gegenwärtigen Situation.
Skill: Vorsicht Falle
3. Kann ich die Konsequenzen meiner (dem Gefühl passenden) Handlung kurzfristig wie auch langfristig tragen? Will ich diese tragen? Und füge ich dadurch keinem ungewollt Schaden zu?

Wenn eines dieser 3 Fragen mit NEIN beantwortet wird muss das Gefühl abgeschwächt werden!!!

Der Skill Held des Alltags kann dabei eine Brücke bilden um eine distanzierte Sichtweise zu bekommen.

Wie funktioniert das Gefühl abschwächen – wie mache ich das?
Wie bereits gelesen, besteht das emotionale Netz aus 4 Komponenten:
– Wahrnehmung
– Denken
– Körperreaktionen
– Handlungsdrang / Handlungsimpuls

Je mehr dieser Komponenten nun entgegengesetzt dem Gefühl ausgeführt werden, desto weniger Kraft hat das Gefühl. Es wird dann umso schwächer.

Das bedeutet man versucht:
– entgegengesetztes Handeln (gegen den Gefühlsimpuls handeln)
– entgegengesetztes Denken
– entgegengesetzte Körperreaktion

Wichtig ist nicht dem Gefühl entgegengesetzt handeln, sondern dem Handlungsimpuls des Gefühls.
Das bedeutet nicht aus Wut – Freude machen, sondern ruhig bleiben, positiv denken, und Handflächen öffnen, leichtes Lächeln versuchen,…

Siehe auch im Skill Gefühlsprotokoll bzw. VEIN AHA.

Nochmals als kurzen Check was zu tun ist wenn ich ein starkes Gefühl empfinde:
1. Ich muss das Gefühl (radikal) akzeptieren, annehmen.
Ich beschreibe mein Gefühl (Achtsamkeit) und das was ich wahrnehme.
Dafür ist es auch wichtig analysieren können, was ich denn für ein Gefühl habe!? Das finde ich am Besten über die Handlungsimpulse der Gefühle heraus.
(Siehe PDF Datei – Gefühl & Handlungsimpuls)

2. Prüfe die Fakten am Besten erstmals mit dem Skill: Held des Alltags – das bringt erstmals die nötige emotionale Distanz rein.

3. Wenn das Gefühl nicht berechtigt oder zu stark ist (nach den 3 Fragen, die ich bereits genannt habe) geht es nun um die 4 Komponenten des emotionalen Netzes und dem entgegengesetzten Handeln.

4. Nach dem Abschwächen des Gefühls durch das entgegengesetzte Handeln, sollte ich mir aber anschauen, wieso das Gefühl bei mir eine Krise ausgelöst hat. Dabei kommen folgende Skills in Frage:

a) Vorsicht Falle (wenn sekundäres emotionales Netz im Spiel war / Gefühl nicht zur aktuellen Situation passte)
b) Gefühlsprotokoll / VEIN AHA (wenn Gefühl zu stark war)

Quelle: Interaktives Therapieprogramm für Borderline-Patienten, Bohus / Wolf, Schattauer Verlag, meine Mitschriebe in der stationären DBT Therapie und der ambulanten DBT – Skillsgruppe.
A.R. 2013

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