Gefühl: Angst

Gefühl: Angst

Definition:
Das deutsche Wort „Angst“ entstand aus dem indogermanischen „angh“ (eng) mit dem Suffix „st“ (dazugehörig), heißt also: „das, was zur Enge gehört“. Ähnlich lateinisch: „angustiae“ (Enge).

Grundlage:
– ist eine Grundemotion
– enorm wichtig als überlebenswichtiges Warnsystem
– Sicherung des Überlebens durch Verlassen der gefährlichen Situation.
– Vermeidung von unangemessenen Risiken.
– Mobilisation von sozialer Unterstützung.
– Warnsystem ist lernfähig, d.h. Gehirn speichert automatisch Informationen, die mit akuten, gefahrenvollen Situationen in Verbindung steht.
– Lässt uns in neuer, ähnlichen Situation durch abgespeicherte Infos (im Gehirn) vorsichtig oder ängstlich reagieren
– Evolutionsgeschichtlich hat die Angst eine wichtige Funktion als ein die Sinne schärfender Schutzmechanismus, der in tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten (etwa Flucht) einleitet. Da der Energieaufwand für eine Flucht gering ist (wenige hundert kcal), übersehene Bedrohungen aber äußerst folgenschwere Auswirkungen nach sich ziehen können (Tod), ist die „Alarmanlage“ Angst sehr empfindlich eingestellt, was in vielen Fehlalarmen resultiert.
Typische Auslöser und Interpretationen:
– man fühlt sich oder jemand Nahestehenden unmittelbar bedroht durch Tod oder Verletzung

es gibt eine Vielzahl von spezifischen und unspezifischen Auslösern von Angst:
– wieder Erleben oder Erinnern einer ehemals gefährlichen Situation
– Stille
– Alleinsein
– Dunkelheit
– Eingesperrt sein
– Neue oder ungewohnte Situation
– Gefühl des Kontrollverlust
– Vorstellung zu sterben / verletzt zu werden
– Vorstellung jemand oder etwas sehr wichtiges zu verlieren
– Vorstellung sich zu blamieren, zu versagen
– Vorstellung einen schweren Fehler zu machen
– Gefühl von Hilflosigkeit

Wahrnehmung:
– hohe Konzentration auf Gefahrensignale
– Gedanken sind beschleunigt, z.T. rasend
– ihnen wird kalt oder heiß
– evtl. treten dissoziative Symptome auf wie: Beine beginnen einzuschlafen, Körper wird schmerzunempfindlich, Umwelt wird nur noch Schemenhaft wahrgenommen, Geräusche dringen von fern an uns heran, nur noch zweidimensionales sehen oder Tunnelblick, Raum-Zeitgefühl löst sich auf, z.T. Gefühl aus dem Körper zu treten und sich von außen wahrzunehmen.
– (evtl. auftreten von Flashbacks)

Körperreaktion:
– Beschleunigung der Herzfrequenz (Herzklopfen)
– Kloßgefühl im Hals, z.T. würgendes Gefühl
– Gefühl nicht schlucken zu können
– Enge in der Brust / Druck auf Brust
– Beschleunigte Atmung / flache Atmung / Atemlosigkeit
– Schweißausbruch / kalte Hände oder Füße
– Gänsehaut
– Allgemeine Unruhe oder Schreckhaftigkeit
– Innerliches / äußerliches zittern
– Unruhiger Blick, Blick huscht umher; oder teilnahmsloser Blick
– Pupillen geweitet
– Muskelanspannung, Verkrampfung
– „Schmetterlinge im Bauch“, Druckgefühl im Magen, Übelkeit bis hin zum Erbrechen
– Appetitlosigkeit
– Durchfall
– Harndrang
– Sprachstörung / zitternde Stimme
– blass werden

Mögliche ausgelöste Gedanken:
– „ich werde gleich sterben“
– „ich halte es nicht mehr aus“
– „ich werde sicher verrückt“
– „ich verliere die Kontrolle“
– “Wie gefährlich & gruselig”
– “Ich werde abstürzen”
– “Ich werde mich verletzen.”
– “ Ich werde alleine dastehen.”
– “Mir passiert gleich wieder etwas.”

Handlungsdrang:
– Es gibt 3 Arten der Reaktion:
1. Kampf / Angriff oder Versuch Hilfe zu holen
2. wenn das nicht geht kommt es zu Flucht
3. wenn das wiederum nicht geht kommt es zum Todstellreflex, bzw. der Dissoziation (da können wir kaum handeln!) – dem Erstarren.

– schreien, brüllen
– Arme über den Kopf nehmen
– zittern
– sich zusammenkauern
– um Hilfe bitten oder rufen
– weglaufen, fliehen
– hastig gehen oder laufen
– das, was man fürchtet meiden oder sich davor verstecken
– weniger reden, sprachlos werden, schnell reden

Dissoziation – Definition:
Bei Dissoziationen handelt es sich um eine vielgestaltige Störung, bei der es zu einem teilweisen oder völligen Verlust von psychischen Funktionen wie des Erinnerungsvermögens, eigener Gefühle oder Empfindungen (Schmerz, Angst, Hunger, Durst, …), der Wahrnehmung der eigenen Person und/oder der Umgebung sowie der Kontrolle von Körperbewegungen kommt. Der Verlust dieser Fähigkeiten kann von Stunde zu Stunde unterschiedlich ausgeprägt sein.

Häufiges Folgegefühl:
– Furcht, Ohnmacht / Hilflosigkeit
– Trauer (man darf Angst in der Gesellschaft nicht äußern, da es ein Zeichen für Schwäche ist)
– Wut, starker Ärger, Hass, Selbsthass
– Scham
– Schuld?

Wann ist dieses Gefühl gerechtfertigt?
– Wenn man selbst oder jemand Nahestehendes tatsächlich gegenwärtig oder in naher Zukunft bedroht ist.
– Wenn man in Gefahr ist, etwas sehr wichtiges zu verlieren.

Das bedeutet, dass man bei höherer Anspannung auch schneller dazu neigt, das man in eine Angstsituation gerät.

Wie kann man diesem Gefühl entsprechend sinnvoll handeln?
– wenn man real bedroht ist hat man folgende Möglichkeiten:
fliehen
sich Hilfe holen
die Angst kommunizieren
sich wehren

Wie kann ich dem Gefühl vorbeugen?
– Wichtig ist zu unterscheiden, ob es eine gegenwärtig bedrohliche Situation gibt, oder es um ehemals bedrohliche Auslöser handelt! (Skill: Vorsicht Falle)
– Jede Form von Kompetenz verringert die Gefahr Angst zu bekommen z.B. Anti-Angsttraining, Kampfsport, Aufbau von sozialen Kontakten
– Stressmanagement: Belastung früher erkennen, mildern; mehr Sport, Entspannung, gesunde Ernährung, – siehe auch Skill: ABC Gesund; Grenzen setzen – Skill: Zwischenmenschliche Fertigkeiten

Wie kann man das Gefühl abschwächen?

a) entgegengesetztes Handeln:
Handlungsimpuls: Flucht, Hilfe holen, Schutz suchen, Dissoziation
– In der Situation bleiben, sich aktiv damit auseinandersetzen
– Konfrontation: Orte / Situationen aufsuchen, die einem Angst machen (Expositionsübung)
– Kompetenzen aneignen (Selbsthilfegruppe, Anti-Angstgruppe, Kampfsport,…)
– über eigene Sorgen mit Freunden sprechen
– aufbauen von unterstützenden sozialen Kontakten.
– gegen Dissoziationssymptomatik: starke Sinnesreize (Ammoniak, Chili, etc.)

b) entgegengesetztes Denken:
Handlungsimpuls: Gedanken wie: etwas / jemand ist akut bedroht, ich kann mich nicht wehren, ich werde überwältigt, das halte ich nicht aus, ich bringe mich um – entkomme so der Gefahr,…
– sich erinnern an Situationen, die man bereits bewältigt hat
– Umbewertung der körperlichen Symptomen: Angst als sinnvolle Alarmsignale, man stirbt aber nicht daran
– mentale Beziehung knüpfen zu Menschen, die sie lieben / schätzen
– Vorstellung starker innerer Helfer / wohlwollender Begleiter (Skill: Imaginationsübungen)
– Innerlich – distanzieren vom Ort
– Sicherer Ort vorstellen (Skill: Imagination)
– „Ich schaffe es.“
– „Ich bin sicher.“
– Skill: Realität prüfen / Vorsicht Falle!? (Was sehe, höre, spüre ich jetzt?)

c) Entgegengesetzte Körperhaltung:
Handlungsimpuls: weglaufen, kleinmachen, verkriechen, flehen, unterwerfen,…
– aufrechte Körperhaltung
– Schultern zurücknehmen
– Fäuste ballen
– Blick nach oben
– Fersen zueinander richten
– Fußspitzen nach vorne, außen richten
– Tiefe Atmung in den Bauch
– Gegen Dissoziationssymptomatik: starke Sinnesreize wie kaltes Wasser, Barfuß über Kieselsteine laufen, Flamenco tanzen, Eiswürfel in Mund, Chili in Mund, Ammoniak riechen,…

In Bezug auf Essstörung:
Angst vor einer Gewichtszunahme kann Essstörung aufrechterhalten.

Mut ist nicht, keine Angst zu haben
sondern sie zu überwinden.
Egal wie sehr dich deine Zweifel plagen
für alles kann man eine Lösung finden.

Man darf nicht aufgeben
wenn man etwas mit zu wenig Hoffnung bemisst.
Sollte nie den leichten Weg wählen
weil es oft der falsche Weg ist.

… Wie kann denn etwas, dass richtig scheint
gleichzeitig so einfach sein?
Wie kann etwas, dass man für das „Wahre“ meint
mit wenig Aufwand zu erlangen sein?

Stehe offen zu deiner Angst
doch kämpfe und überwinde sie.
Sonst sitzt du dein Leben lang und bangst
und wirst niemals frei sein, nie…

Quelle: Facebook

Arten von Angst:

1) Realangst:
Warnt uns vor Gefahr.
2) Furcht:
Angst vor konkretem Objekt, dass zugeordnet werden kann.
3) Achaische Ängste:
– werden über Generationen weiter gegeben.
– evtl. warnen sie vor Gefahren, die der heutigen Realität nicht immer entsprechen z.B. Dunkelangst
4) „namenslose Angst“:
– für die es keine Worte gibt
– deren Ursache wir nicht kennen
– die einen plötzlich überfällt, die einfach da ist.
– Erklärungsversuche vor anderen scheitern in Unverständnis.

Ich falle in ein schwarzes Loch, nur Finsternis um mich, keiner da…
Es ist die Einsamkeit, nichts um mich herum, ich kann niemanden sehen,
hören oder fühlen, ich werde nicht gesehen, gehört oder gespürt…

Es ist Panik, ich will rennen, weiß aber, dass der Weg nicht heraus führt…

Es ist wie von Glaswänden eingeschlossen sein, kein Kontakt nach außen …

High Noon, totale Stille, nichts… (Patientin)
(aus Sendera, Borderline – Die andere Art zu fühlen (2010))

– geht oft auf beängstigende, schmerzhafte Ereignisse zurück, die in einer Zeit erfolgten, als Betroffene noch nicht sprechen konnten.
– Entstanden durch Traumata, Missbrauchs- oder Gewalterfahrung oder aber auch emotionale Defizite durch Verlassen oder Im-Stich-Gelassen werden.

5) Angst vor Konflikten

6) Angst vor Kritik

7) Angst zu Versagen

8) frei flottierende, diffuse, imperative Borderline Angst (nach Hoffmann): beinhaltet:
– Angst vor Nähe
– Angst vor Selbstverlust
– Angst vor sich selbst

Angst Arten: siehe http://www.angst-und-depri.info/aengste/angst_formen.html

Diagnostik Bogen zum Thema Angst: (ersetzt aber kein Arzt!!!)
findet man unter:

http://www.angst-auskunft.de/AAA_Angst_Panik_SAS.htm
http://www.angst-auskunft.de/AAA_Angst_Panik_Sheehan.htm
http://www.angst-auskunft.de/Soziale-Phobie-Liebowitz-Skala.htm

Angsttagebuch findet man unter:
http://www.angst-auskunft.de/AAA_Angstkalender.htm

By: A.R. 2013,
Quellen: Interaktives Skillstrainingfür Borderline Patienten – Schattauer Verlag, Mitschriebe aus der Klinik, Therapie,
Wikipedia, http://www.angst-und-depri.info/aengste/angst_symptome.html
Therapie der Essstörung durch Emotionsregulation von Valerija Sipos und Ulrich Schweiger / Kohlhammer Verlag

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