Opferrolle – wie kam ich rein, wie komme ich raus?

Opferrolle – wie kam ich rein, wie komme ich raus?

Ich merke immer wieder wie ich in diese blöde Opferrolle komme und ich (noch) keinen Ausweg heraus sehe. Ich habe es satt diese Rolle einzunehmen. Ich will frei sein, ein gleichberechtigter Mensch. Egal ob im Beruf, in der Familie, bei Freunden oder Bekannten.

Wieso trifft es so oft mich? Was tu ich? Was tu ich nicht, damit mir das immer und immer wieder passiert?

Es heißt ja so schön. Für alles was man tut hat man selbst die volle Verantwortung. Da stellt sich dann für mich die Frage – was mache ich, damit ich immer wieder in solche Situationen komme?

Was hindert mich daran mich auf gleicher Augenhöhe wahrzunehmen? Was zwingt mich innerlich dazu immer klein beigeben, die Maus zu spielen und das Spiel zu verlieren? Wieso schaffe ich es nicht in Konfliktgesprächen die Ruhe zu bewahren und klar Grenzen aufzuzeigen, wenn es meine Grenzen verletzt? Wieso schaffe ich es nicht in dem Moment durch Argumente dem anderen den Wind aus den Segeln zu nehmen?

In welche Fallen tappe ich immer wieder?

Fand hier ein sehr toller Artikel dazu: www.psycho-holstik.de/raus-aus-der- opferrolle.html

Bei mir ist es meist eine Kombination aus mehreren. Mir bekannte Fallen sind:

a) Zum einen geht es um Vorwürfe und Anklagen

Ja, da bin ich in meiner „Vorsicht Falle“ (siehe Skill in der DBT Therapie)  gefangen. Es waren meine Eltern, vor allem mein Vater, der mir oft – z.T. unbewusst – die Schuld zu schob. Ich möchte nicht sagen –  ich bin das Opfer – er hat es von seinen Adoptiveltern sicher auch nicht anders mitbekommen. Ich versuche diesen Teufelskreis zu durchbrechen, indem ich an mir und meinem Verhalten (auch meiner Familie gegenüber) arbeite.

Es ist wirklich so das da eine ganze Maschinerie in Gang tritt. Zum einen ist es überhaupt die Frage: Was habe ich getan? Wieso bin ich schuldig?

Zum anderen gibt es da den inneren Kritiker, das Teufelchen das einem immer und immer wieder ins Ohr sagt. So ist es – du hast die Schuld! Und darunter leidet dann auch wieder der Selbstwert.

In dieser Falle kann ich mich auch nicht von der Emotionalität distanzieren. Mir kommen da super schnell die Tränen. Ich habe das Gefühl, das mich da meine Gefühle völlig lähmen. Ich habe es dann nicht mehr unter Kontrolle und schaffe es mich auch nicht mehr entgegengesetzt zu denken, handeln, Körperhaltung. Das entgegengesetzte Handeln ist das einzige was ich umsetzen kann. Ich kann inzwischen in der Situation bleiben und schaffe es nicht zu dissoziieren . Auch greife ich mein Gegenüber auch nicht an. Ich verhalte mich ruhig, versuche dennoch die Situation schnellstmöglich hinter mich zu bekommen.

b) dann sind es Unterstellungen, die mich in die Falle katapultieren

Zum Teil werden Fehlinformationen verbreitet (absichtlich oder auch unabsichtlich mangels Recherche)

In diesem Fall muss ich aufpassen, das ich nicht in etwas trotziges reinfalle. Ich muss aufpassen, das nicht ein Kindanteil da denkt „jetzt ist eh alles egal“ – und dann anfängt zurück zu schießen.

c) Es können auch ständige Wiederholungen des Gegenübers sein, die  noch mehr Schuldgefühle in mir wecken und die Emotionalität dann  zunimmt.

d) wenn es dann auch noch persönlich oder intim wird und das in einem Rahmen wo es einfach nicht hingehört. Ich meine wenn nicht nur unter 4 Augen gesprochen wird sondern noch Arbeitskollegen dabei sind, die von einer Krankheit oder so nichts wissen und auch nicht wissen möchte. Da kommen dann Gefühle wie Scham, Enttäuschung, Wut und Ärger mit ins Spiel.

e) man alleine dasteht und mehrere die Meinung des Gegenübers unterstreichen, weil er sich zuvor Verbündete gesucht hat und man zuvor nichts davon wusste. Da verstärkt sich in mir das Gefühl, das ich sowieso Hilflos bin und keine Chance habe irgendetwas dagegen zu unternehmen.

Ich habe immer wieder das Gefühl, das ich durch meine Therapie sehr viel im Umgang mit Menschen gelernt habe. Ich habe gelernt wie wichtig es ist Stärken hervorzuheben, Dinge wahrzunehmen und das zu äußern. Ich kenne Validierung und Invalidierung. Ich weiß wie sich beides anfühlt, v.a. weil ich von klein auf gewöhnt war invalidiert zu werden. Das bedeutet alles ist falsch, nicht recht, ich bin falsch wie ich bin, ich sollte anders sein.

Auch Achtsamkeit hat mir sehr viel gebracht, nur leider halten wohl davon die wenigstens Menschen etwas. Traurig aber wahr. Es wird unnötig oft bewertet und manipuliert und man hat kaum eine Chance da Aussteigen, wenn man nicht als Außenseiter gelten mag. Wenn man seine Bedürfnisse und Gefühle äußert fangen andere gleich an durch das bewerten zurück zu schießen und das oft auf eine unschöne Art und Weise.

Die Gesellschaft ist auf Leistung und Konkurrenz aus. Es gibt überall den „Boss“ und die „Untertanen“ – sei es auf Arbeit – auch wenn eigentlich alle den gleichen Rang hätten, in der Schule oder wo auch immer.

Das ganze hier soll für mich dienen, damit ich es in meiner nächsten Therapiestunde ansprechen kann. Auch würden mich eure Meinungen interessieren. Wie seht ihr das?

Vielleicht werde ich auch Passwortgeschützt demnächst ein aktuelles Beispiel zu dieser „Opferrolle“ bringen. Wer es lesen mag hinterlässt dann ein Kommentar. Ich werde mich dann bei euch per Mail melden.

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8 Gedanken zu „Opferrolle – wie kam ich rein, wie komme ich raus?

  1. Es kommt nicht darauf, was andere davon halten, wenn Du achtsam lebst, sondern was es Dir bringt. Die Achtsamkeit soll Dir ja gerade helfen, bei DIR zu sein und auf DICH zu achten.
    Vielleicht ist es auch manchmal besser, ein Aussenseiter zu sein, als sich selber verleugnen zu müssen, um dazu zu gehören. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, da hast Du Recht. Und die Gesellschaft lässt sich nicht ändern. Die Frage ist halt nur, wie Du damit umgehst: willst Du mit anderen auf der Arbeit oder wo auch immer konkurrieren, weil Du die Anerkennung suchst oder geht es Dir vielleicht besser, wenn Du tust, was Du tust, weil Du es gerne tust. Unabhängig davon, ob andere nun besser sind oder nicht. Das sind so spontan meine Gedanken zu Deinem Beitrag. 🙂
    Lieber Gruss
    Charlotte

  2. Hallo Charlotte. Ich habe es vielleicht etwas blöd geschrieben. Die Achtsamkeit mache ich klar für mich. Nur finde ich schade, das kaum Leute wissen was Achtsamkeit ist und es auch nicht anwenden. Dadurch wäre die Gesellschaft vielleicht etwas mehr (jeder einzelne) bei sich und seinen Bedürfnissen und würde nicht seinen Unmut an anderen auslassen. – Das meinte ich damit.
    Ich mache meine Arbeit super gerne. Nur können es manche Kollegen einem vermiesen durch ihre provokante Art und Weise und das Niedermachen von guten Ratschlägen. Schade – aber es ist so.
    In solchen Fällen fällt es mir schwer mich nicht in der Opferrolle wieder zu finden. Ich gebe so oft klein bei und ich weiß, das ich das eigentlich gar nicht müsste. Den ich bin gut so wie ich bin 😉 Und ich habe mein Recht auf freie Meinungsäußerung.

    Ich bin auf einem guten Weg. Alte Verhaltensmuster brauchen eben Zeit bis sich neue stabilisieren und automatisieren können.
    Danke dir nochmals. LG desweges

  3. Ja, alte Verhaltensmuster brauchen Zeit, bis sie durch neuere, bessere ersetzt sind. Dazu kommt, dass die eigene Familie sowie Freunde oder Kollegen einen oft wieder zurück „zerren“ in das alte Muster. Es ist, als wollten sie beweisen, dass Du lügst oder Dich verstellst. Neue Muster einzuüben geht oft besser bei neuen Bekanntschaften. Oder aber bei Freunden, die es wirklich gut meinen. (Sind meist nicht so viele…) Das sind Freunde oder Familienmitglieder, die merken, wenn es Dir besser geht.
    Was die Opferrolle anbelangt: Dooferweise gehört zur Opferrolle immer eine Täterrolle. Das ist ein System. Ich selber habe lange versucht, mich von der Opfermentalität zu befreien, merkte dann aber, dass ich sofort selber in die Täterrolle rutsche. Z.B. indem ich aggressiver reagierte oder arroganter. Das schockierte mich dann so stark, dass ich wohl freiwillig wieder zurück in die alte Rolle ging. Mittlerweile versuche ich etwas anderes. Ich versuche gar nicht mehr in dieser Kategorie zu denken.
    Statt als Opfer oder als Täter mich zu sehen, versuche ich immer öfters – das klingt jetzt vielleicht merkwürdig – als Begünstigter des Lebens zu sehen. Als jemand, dem es eigentlich in so so vielen Dingen gut geht.
    Viele liebe Grüße
    Orlando

  4. Danke dir Orlando, da finde ich immer wieder die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg genial. Da wird geschaut das niemand Täter oder Opfer ist. Man ist auf gleicher Augenhöhe. Es geht um das Beobachten, Wahrnehmen, um sein Bedürfnis und um eine Bitte. Alles funktioniert ohne Druck und Manipulation. Das wäre doch schön. Leider ist das oft noch ein Wunschdenken.
    LG desweges

  5. Hi,

    ich hatte mal an einem Seminar teilgenommen, einer Art Selbsterfahrung. Da ging es darum, sich selbst zu beobachten und darauf achten, wie man auf andere und sich selbst reagiert. Da hatte uns die Trainerin die Aufgabe gegeben, jedes Mal, wenn man in eine Konfliktsituation kam, welcher Art auch immer, im Kopf folgenden Satz zu sprechen:“ Vergib mir, ich liebe dich“. Ich weiß, wie sich das anhört und ich fand das damals ziemlich bescheuert. Hab es aber trotzdem ausprobiert und gestaunt. Irgendwie fühlt man sich danach besser, erleichtert und befreiet, auch wenn man diesen Satz nicht wirklich glaubt. Versuch es, bin gespannt, was du dazu sagst.

    Außerdem – lobe dich. Stell dich jeden Tag vor den Spiegel und lobe dich für alles, was dir einfällt. Das steigert unheimlich dein Selbstbewußtsein.

    LG
    Tatjana

  6. Ich würde gern lesen, worum es genau ging. Und ich finde es toll, dass du deine „Falle“ schon so gut erkennst. So klar sind meine „Vorsicht Falle“-Analysen definitiv noch nicht!

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