Hilfe und Selbsthilfe

Teil I: Hilfe zur Selbsthilfe (Gruppen, Foren, Bücher, etc.)


1. Welche verschiedenen Formen der Hilfe zur Selbsthilfe (Gruppen, Foren, Bücher, etc.) hast du schon ausprobiert?

Ich bin in verschiedenen Foren angemeldet, wobei ich das kaum noch nutze. Anfangs fand ich es sehr hilfreich zu sehen, das man nicht alleine da steht und es auch andere gibt, denen es ähnlich ergeht. Inzwischen kostet es mich zu viel Zeit dort auch noch ständig online zu sein. Habe meine Prioeritäten wohl anders gelegt.

Ich war in einer Selbsthilfegruppe. Das Problem daran war, das es alles Betroffene waren und zum Teil sehr instabil. Es war auch ein ständiges Kommen und Gehen und nichts Beständiges. Auch gab es keine Moderation. Mich zog das oft nur noch mehr runter. Gebracht hat es mir nichts. Sicher  können solche Gruppen aber auch sehr hilfreich sein.  Die DBT Skillsgruppe, die ich 1,5 Jahre besucht habe war wirklich eine Hilfe zur Selbsthilfe. Sie wurde durch eine Heilpraktikerin für Psychotherapie geleitet und die Gruppe hat sich gegenseitig unterstützt. Man machte alle DBT Module 2 Mal durch.

Auch Bücher habe ich anfangs sehr viele zu diesem Thema gelesen. Ich wollte anfangs die Diagnose nicht wahrhaben. Die Bücher halfen mir die Diagnose zu akzeptieren und zu lernen damit umzugehen. Auch fühlte ich mich etwas besser verstanden, konnte anders gegenüber Familienangehörigen auftreten,…

Auch das Bloggen ist für mich eine Art Selbsthilfe. Zum einen wiederhole ich so das erarbeitete, zum anderen sehe ich, das ich nicht alleine bin und bekomme Feedback von anderen. Das hilft mir auch hin und wieder meine Denkweise zu überdenken oder auch durch guten Zuspruch größere und kleinere Krisen zu überwinden. Hiermit auch ein großes Dankeschön an die Leser meines Blogs <3!

2. Wie einfach ist es in deiner Gegend, eine Selbsthilfegruppe zu finden?

Sicher nicht einfach, da ich sehr ländlich wohne. In der nächsten großen Stadt gibt es eine Selbsthilfegruppe. Mit dem den öffentlichen bin ich über 1,5 Stunden unterwegs, mit dem Auto 45 min – 1 Weg.

3. Falls du Erfahrungen mit SHG hast: Hat es dich Überwindung gekostet,
dich einer anzuschließen? Falls du keine Erfahrung hast: Kannst du dir
vorstellen, in eine SHG zu gehen?

Etwas, weil ich Angst vor neuen Situationen habe. Bevor es jedoch in die Gruppe ging gab es ein Erstgespräch. Das fand ich sehr hilfreich, um überhaupt zu wissen auf was ich mich da einlasse. Mir war es wichtig in die Selbsthilfegruppe zu gehen um zu sehen, wie ich mit bestimmten Situationen umgehen kann. Auch bezüglich Therapiearten, Klinik und co. fand ich es hilfreich.

4. Was hältst du von Selbsthilfebüchern? Helfen sie dir? Sie haben mir vor allem allgemeine Informationen über meine Erkrankungen vermittelt (Theorie). Übungen, v.a. Skillstraining ohne Anleitung zu machen finde ich jedoch v.a. zu Beginn der Bewälltigung schwierig. Inzwischen nutze ich Bücher zu verschiedenen Themen (Gewaltfreie Kommunikation, Arbeit mit dem inneren Kind,… eigenständig) und komme damit gut klar.

5. Glaubst du, dass Hilfe-zur-Selbsthilfe-Angebote eine Therapie ersetzen können?

Nein, das geht meiner Meinung gar nicht! Die Therapie und die Einzelsitzung benötigt man um spezielle/eigene Erfahrungen/ Erlebnisse zu bearbeiten. Manches gehört einfach auch nicht in die Gruppe, da die anderen evtl. dadurch getriggert werden, nicht stabil genug dafür sind oder was auch immer.

Auch kann der Therapeut ganz anders auf die Stabilität des Patienten eingehen. In der Gruppe ist das nicht möglich. Auch Dissoziationen / Flashbacks können die Gruppen nicht auffangen und man ist auf sich alleine gestellt. Es kann passieren, das man völlig aufgelöst aus der Gruppe geht und dann selbst wissen muss was man nun braucht, wie man wieder aus der Dissoziation oder ähnlichem raus kommt.

Teil II: eigenständige Selbsthilfe (Skills, Ressourcen, etc.)
7. Welche Möglichkeiten zur eigenständigen Selbsthilfe in Krisensituationen sind dir bekannt? Stresstoleranzskills, Skills zur Krisenbewältigung, Notfallkoffer, Arbeiten mit Körperempfindungen, radikale Akzeptanz

Alles. Ich habe die stationäre DBT Therapie 14 Wochen durchlaufen und noch zusätzlich die 1,5 Jahre DBT Skillsgruppe. Ich kenne und nutze auch heute noch die Module, wobei meine Krisen sicher nicht mehr so heftig erscheinen wir vor paar Jahren.

Das A und O für mich  und oberster Stresstoleranzskill ist für mich (wenn möglich) die Situation verlassen. Raus gehen, spazieren, joggen was auch immer. Auch Ablenkung v.a. Hausputz, Abwasch,… hilft mir sehr gut. Mit Dissoziationen kämpfe ich inzwischen weniger. Ich hab noch Ammoniak zu Hause, aber nehme es nicht mehr dauernd mit. Was ich immer dabei habe ist mein Handy mit Musik. Das hilft bei Dissos auch. Auch weiß ich, wie ich sie rechtzeitig abwenden kann.

Notfallkoffer habe ich auch. Ein kleines Täschen. Das steht, jedoch zu Hause im Schlafzimmer. Was ich immer dabei habe – also wirklich sehr abgespeckte Version – mein Metalligelball und das Handy und Akkupressurringe.  Akkupressurring und Metalligelball sind meine Sicherheitsanker. Mit denen weiß ich, das ich die Situationen gut meistern kann.

Arbeit mit Körperempfindungen kenne und nutze ich auch. Da sind es bei mir v.a. Ohren – Musik, Kälte und Hitze auf Haut durch Wechselduschen, Finalgon, Schmecken ist es Chili.

Radikale Akzeptanz – dieses Wort hasste ich in der stationären Therapie, aber es ist das Mittel das immer wieder benötigt wird. Es gibt einfach Situationen, die man nicht ändern kann. Wenn ich unter diesen Situationen „leide“ geht es mir viel schlechter und schlechter. Wenn ich versuche die Situation zu akzeptieren, dann komme ich irgendwann besser drüber weg. Sicher braucht es auch Zeit, aber ich weiß es wird besser und Impulsivität bringt rein gar nichts und macht alles nur noch schlimmer.

8. Wie hast du deine Selbsthilfestrategien entwickelt? Sind sie durch learning by doing entstanden oder hast du sie in einer Therapie erarbeitet?

Beides. Manches habe ich einfach selbst ausprobiert, manches durch Therapie stationär / ambulant erarbeitet. Das meiste schon über Anleitung.

9. Wie sehr nutzt du diese Selbsthilfestrategien in Krisenzeiten?

 Im Alltag und „normaler“ / gemäßigter Anspannung sind meine Skills schon so automatisiert, das ich sie kaum noch wahrnehme. Vor allem Achtsamkeit möchte ich nicht mehr missen. Das ist sowas von wertvoll.

In Krisen kostet es mich schon mehr Kraft. Kraft, weil die Anspannung kontinuierlich höher ist und ich erschöpfter bin. Ich falle dann schneller in destruktives Denken und Verlangen nach destruktivem Verhalten v.a. in Krisen bzw. kurz nach den Krisen schätze ich DBT und meine Skills.

Ich nehme auch immer wieder meine Unterlagen oder die Skillstraining CD um wieder etwas durchzuarbeiten und durchzulesen.

10. Denkst du, dass deine Selbsthilfestrategien so gut funktionieren, dass sie dich aus jeder Krise befreien können? Wenn nein, was müsstest du noch verbessern, woran müsstest du noch arbeiten?

Im Moment würde ich ja sagen. Wenn ich jedoch richtig übel psychisch instabil wäre, weil ich nicht mit Medikamenten eingestellt wäre wüsste ich nicht ob das immer so wäre. Es gibt auch jetzt noch v.a. in Krisen suizidale Gedanken, die auch drängender werden können. Bis jetzt bekomme ich aber immer noch die nötige Distanz rein um zwischen Gedanken und Handlungsdrang zu unterscheiden!

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5 Gedanken zu „Hilfe und Selbsthilfe

  1. Hallo, endlich kann ich auch mal etwas bei Dir schreiben. Ich habe nun alle Deiner Frage & Antworten Post gelesen und finde es unglaublich spannend, aber auch hilfreich. Denn Du setzt dich auch sehr mit der Krankheit auseinander und versuchst sie zu „heilen“. Ich musste eben sehr lachen, als ich las, dass die „radikale Akzeptanz“ ein verhasstes Wort war. Das ging mir auch so. Manchmal noch heute, auch wenn ich weiss, dass daran kein Weg vorbei führt. Darf ich evtl. die Fragen kopieren und bei mir auch posten? Da ich ja auch möchte, dass die Krankheit mehr Verständnis bringt und mich somit meinen Lesern. Und ich habe so viel spannendes und gutes über Dich erfahren! Vielen Dank für Deine Offenheit!

    • Klar darfst du? Die Fragen waren aus nem Forum. Ich hab mir alles rauskopiert, beantworte es in Ruhe und nimm dann auch Stellung – was ich so denke im Forum. Dachte, das ist auch toll für den Blog. Zu mal es ja meine Antworten sind 😉 LG desweges

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