Borderline & Psychotherapie

1. Machst du derzeit eine Therapie? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?

Ja, ich mache ambulante Verhaltenstherapie Therapie seit Mai 2011. Von Januar 2012 – August 2013 habe ich auch noch eine DBT Skillsgruppe besucht.

2. Welche weiteren Therapieerfahrungen hast du bisher gemacht?

Ich war 2 Mal stationär in der Psychiatrie. Dort habe ich, als ich wegen der Depression stationär war, die interpersonelle Verhaltenstherapie kennen gelernt. Da ich jedoch noch Borderline habe fand ich die Probleme die dort angesprochen wurden manchmal richtig „poplig“ gegensatz zu den Grundsymptome von BL. Ich merkte ich brauche eine spezielle Therapie für BL. Habe mich dann auch entschlossen mich auf die Warteliste für DBT setzen zu lassen.

Die DBT (dialektisch behaviorale Therapie) wenden wir auch heute noch in der Verhaltenstherapie an. Vor allem Achtsamkeit und Selbstakzeptanz sind wichtige Bestandteile.

Die Energetische Psychotherapie (EFT) ist auch Bestandteil in der Therapie, wie auch Arbeit am inneren Kind,…

3. Wie kam es zustande, dass du zum ersten Mal in Therapie gegangen bist?

Ich bat meinen Hausarzt um eine Überweisung zum Psychiater, weil ich merkte das dieses Mal Medikamente alleine mir nicht helfen. Aber anstelle Therapie war Krisenintervention angesagt. 😦

4. Glaubst du, dass die Therapieform oder die Art des Therapeuten entscheidender ist für den Erfolg einer Therapie?

Hm, schwierig. Ich glaube man man hat gar nicht wirklich die Chance nach Sympathie / Antipathie oder auch Therapieform selbst zu schauen, da es überall super lange Wartelisten gibt und man ja dringend Hilfe nötig hat.

Ich hatte irgendwie Glück und bin immer ohne Warteliste reingerutscht, hatte aber auch nie 2x/ Woche Therapie, da ich einen sehr langen Anfahrtsweg (über 1 Stunde) habe.

Auch ich habe schon die Therapeutin gewechselt. Beim ersten war es bei mir Arzt  und Therapeut zusammen, was sich oft vermischte und ich mich manchmal in der Therapie gar nicht traute Dinge anzusprechen, weil ich Angst hatte eingewiesen zu werden. Auch ging zum Teil für die Medikamentenverordnung Zeit von der Therapie ab. Bei der jetzigen Therapeutin wusste ich, das sie für DBT spezialisiert ist und auch wirklich alle Bausteine durchlaufen hat. Bei der Vorherigen war es so, das sie zwar die Therorie hatte, aber die Supervision nicht gemacht hatte und genau das ist das was für das Handling mit den Patienten nötig ist.

Nicht jede Therapieform ist denke ich, für jedes Stadium der Aufarbeitung gleichermaßen sinnvoll. Schlechte Erfahrung hab ich mit Tiefenpsychologie. Meine Tochter hatte tiefenpsychologische Spieltherapie. Die Elterngespräche haben mich immer total instabil gemacht. Damit kam ich gar nicht klar.

 5. Bevorzugst du ambulante, stationäre oder teilstationäre Therapie?

Ambulante Therapie bevorzuge ich ganz klar. Da stationäre Therapie mit einem Kind mit sehr viel leiden verbunden ist. Meine Tochter litt sehr unter meinen langen Klinikaufenthalten und das tut / tat mir sehr weh. Wenn möglich versuche ich das zu umgehen oder sie eben mitzunehmen, was aber in die Pschiatrie ja nicht geht, zumal sie ja in der Schule nun ist.

Ambulante Therapie kostet jedoch v.a. in Krisen sehr viel Kraft. Stationär ist man in einem geschützen Rahmen und hat sehr viel Hilfe und Unterstützung. Draußen in der realen Welt hat man das nicht. Da bleibt alles an einem selbst hängen.

Teilstationär ist auch mit Doppelbelastung verbunden, dennoch sicher noch dem stationären Aufenthalt oft vorzuziehen. Für mich ist es jedoch so gut wie gar nicht machbar, da ich 2 Stunden ein Weg unterwegs bin mit den Öffentlichen und so früh bei uns noch gar kein Bus fährt. Autofahren darf man in der Zeit des Psych. Aufenthaltes nicht.

6. Welche Erwartungen hast du an deine aktuelle (oder ggf. zukünftige) Therapie?

Das sie mich weiterbringt im Krankheitsverstehen, Umgang und Auflösung bestimmter Glaubenssätze, Umgang in krisligen Situationen, Hilfe zur Selbsthilfe. Sie soll mir helfen mich zu stabilisieren, das ich es auch irgendwann ohne Therapie schaffe.

7. Wie muss eine Therapie gestaltet sein bzw. wie muss ein Therapeut sein, damit du aus der Therapie Positives für dich gewinnen kannst?

Vor allem validierend! Ich brauche auch Anleitung, jemand der frägt und nicht nur zuhört.
8. Glaubst du, dass Borderliner auch ohne Therapie auskommen können? Oder andersherum gefragt: Glaubst du, dass Borderliner überhaupt therapierbar sind?

Ohne Therapie auskommen geht denke ich nicht. Weil man immer und überall aneckt und das zwischenmenschliche und der Umgang mit den Gefühlen immer wieder Schwierigkeiten bereitet. Man braucht meiner Meinung nach Anleitung, weil man vieles durch seine Umwelt ganz anders gelernt hat.

Ich glaube das Menschen mit BL therapiebar sind, aber nur dann, wenn sie ihre Erkrankung akzeptieren und selbst etwas ändern möchten. Sicher wird man nicht „gesund“ nur die Symptome treten nach außen dann nicht mehr auf und das diese 9 Diagnosekriterien sind nicht mehr messbar.

9. Welche Fortschritte konntest du bereits durch Psychotherapie machen?

–  Ich kann Gefühle besser wahrnehmen und äußern

–  Abnahme der Impulsivität

–  Abnahme des Selbstverletzenden Verhaltens. Ca. 1 Jahr selbstverletzungsfrei

–  Essstörung recht gut unter Kontrolle – innerhalb 2 Jahren Verlust von 50 kg

–  Konflikte scheinen mir nicht mehr so bedrohlich. Ich lerne sie besser auszuhalten und kann ruhiger darauf reagieren.

– Ich kann kritische Situationen in meinem Alltag besser reflektieren und selbst dementsprechend gegensteuern

– Ich kann meine psychischen Grenzen besser Einschätzen und ggf. Hilfe beanspruchen.

– Weitere Abstinenz von Medikamenten (z.N. Benzodiazepinabhängigkeit)

-Stabilere Ehe – wir streiten weniger, da wir unsere Konflikte besser lösen können

–  Das ich mehr auf mich und meine Bedürfnisse auch auf Arbeit achte und auch Grenzen setze und Nein sage.

–  Depressive Phasen nehmen nicht mehr einen so großen Raum ein, wie in der Vergangenheit und beeinträchtigen meinen Alltag nicht mehr so gravierend.


10. Wie sehen deine Therapiepläne für die Zukunft aus und welche Fortschritte möchtest du noch machen?

–  Aufarbeitung der Vergangenheit

–  Stabilisation

– Gelassenere Mutter-Kind Beziehung durch Loslassen von Befürchtungen

–  Arbeit am Thema Geldausgeben / Dispokredit ausreizen

–  Arbeit an der Selbstakzeptanz / Selbstwert

Ich möchte noch mehr Stabilität erreichen. Durch meine emotionale Instabilität und wiederkehrende depressive Episoden sowie nicht einfachen Familienstrukturen ist es nicht immer einfach meine Stabilität aufrecht zu halten. Mein Kind hat selbst soziale Auffälligkeiten und auch schulische Probleme und mein Mann hat ADHS.

Wenn es mir psychisch nicht gut geht und ich zu wenig für mich sorge, treten immer noch recht schnell und heftig destruktive Gedanken auf. Meine Essstörung (Adipositas) habe ich inzwischen recht gut im Griff. Innerhalb 2 Jahren habe ich nun über 50 Kilo verloren. Um da noch weiter erfolgreich zu bleiben ist die psychische Stabilisierung für mich sehr wichtig. In Phasen, in denen es mir nicht gut geht breche ich auch in diesem Bereich noch ein und ein Rückfall ist sehr wahrscheinlich. Ich bemühe mich privat neben der Therapie um Ernährungsberatung, was sehr gut klappt. Ich mache seit Juni 2012 Weight Watchers in einer Gruppe und seit da ist meine Abnahme recht kontinuierlich.

Auch habe ich eine Menge Altlasten aus meiner Vergangenheit, die mich psychish belasten und noch nicht aufgearbeitet sind. Ich übertrage einige meiner Lebenserfahrungen auf den Umgang zwischen mir und meiner Tochter. Ich möchte lernen mehr Vertrauen in sie zu haben und das sich meine Erlebnisse nicht wiederholen müssen.

Auch wünsche ich mir Hilfe im Umgang mit meinem Geld, bzw. der Einstellung dazu. Ich lebe schon recht lange immer am Rande meines Dispokredites. Auch das ist wie eine Sucht, die ich gerne wie auch das mit den Medikament oder auch der Essstörung gerne noch in den Griff bekommen möchte es mich aber noch überfordert alleine dran zu gehen. Hier stecken einige alte Glaubensmuster aus der Vergangenheit dahinter.

Ich habe auf eigenen Wunsch den Abstand zwischen den Therapiestunden erweitert, um mehr im alltäglichen Umfeld zu üben und zu schauen wie ich alleine zu Recht komme. Ohne Therapie scheint es mir jedoch noch nicht möglich.

(Das habe ich vor kurzem geschrieben, als es um die Bewilligung weiterer Stunden ging).

2 Gedanken zu „Borderline & Psychotherapie

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