Borderline & Essstörung

Borderline & Essstörungen

1. Hast du eine diagnostizierte Essstörung oder ein gestörtes Essverhalten? Wenn ja welche genau?

Ja, ich habe eine diagnostizierte Essstörung. Ich habe Adipositas. 2012 hatte ich noch Adipositas per Magna, einen BMI über 40, inzwischen tümpel ich zwischen Adipositas Grad 1 und 2 rum.

Auch Binge Eating habe ich als Diagnose. Da bei mir die Essstörung Phasenweise verläuft und ich entweder eben „Fressanfälle“ habe oder kontinuierlich zu viel und zu fett, zu kohlenhydratlastig.  Und dann gibt es wieder die „gesundere“ Seite, wo ich alles unter Kontrolle habe und schön an Gewicht verliere.

Mein Essverhalten ist sicher gestört. Da ich eben wie bereits oben ziemlich schwanke zwischen „gesunder, vollwertiger“ Ernährung,  Fressanfällen in denen ich mir viel ZUCKER, KOHLENHYDRATE und FETT reinschauefel und auch Phasen, in denen ich meine Lebensmittelauswahl sehr einschränke.

2. Glaubst du, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung eine Essstörung verschlimmert oder sogar begünstigt?

Naja, Borderline heißt ja auch emotional instabile Persönlichkeit. Bei mir begünstigt diese emotionale Instabilität die Essstörung. Wenn ich diese nicht hätte, hätte ich meiner Meinung nach auch keine Essstörung. Ich esse wenn mich seelisch irgendetwas stark belastet. Sei es Stress, Ärger, Angst,…

In Phasen, in denen es mir aus „Borderline Sicht“ „gut“ geht, habe ich eigentlich auch keine Probleme mit meiner Essstörung. Sobald es mir aus der Sicht jedoch schlecht geht, schlägt auch die Essstörung wieder gnadenlos zu.

Okay, inzwischen sehe ich die Zusammenhänge und kann dadurch bisschen was retten, nur leider eben noch nicht alles. 

3. Gehst du wegen deiner Essstörung in Therapie? (Stationär oder Ambulant)

Ich gehe nicht wegen der Essstörung eigentlich zur Therapie, sondern wegen Borderline, Depression und co., aber klar wird auch das angegangen, weil ja alles doch irgendwie zusammenhängt.

Ich bin in ambulanter Therapie, hatte jedoch auch schon mal überlegt nach Prien zu gehen, da ich die „Selbstverrletzung“ zeitweise durch „Fressen“ auslebte und mir die Skills aus der DBT Therapie nicht geholfen hatten.

Auch war ich schon in 2 Mutter Kind Kuren. Die 3. steht an. Schwerpunkt ist jedoch diesmal ein anderer.

4. Wie genau beeinflusst die Essstörung deinen Alltag?

Im Moment ist sie wieder sehr präsent und begleitet mich vom aufwachen bis zum Bettgehen. Auch kann es hin und wieder passieren, das ich sogar nachts aufstehe und was Esse um meine unangenehmen Emotionen zu unterdrücken. 😦

Auch den Familienalltag beeinflusst sie, da meine Tochter mir Dinge abschaut und nachahmt, was ich total schlimm finde. Aber auch mein Mann gibt Kommentare ab, die mir zu schaffen machen und die Situation nicht einfacher machen.

5. Hast du das Gefühl, dass du dich wegen deiner Essstörung besonders isolierst?

Nein, eigentlich nicht. Außerhalb kann ich mich gut anpassen. Nur eben zu Hause nicht.

Das einzigste, wo ich zwischendurch mich wirklich isoliere ist, wenn mein Körperhass zu groß wird und ich mich nur noch FETT fühle. Dann meide ich das Schwimmbad und auch andere Dinge.

6. Gehst du offen mit deiner Essstörung um, sprichst du darüber?

Zum Teil ja, zum Teil nein, weil es doch keiner verstehen würde. Verständnis bekommt man nur von denen, denen es selbst so geht. Die wissen, wie schwer es ist aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Mein Mann ist absolut schlank, sogar an der Grenze zum Untergewicht. Er kann essen was er möchte und nimmt nicht zu. Er versteht es nicht, wenn ich mich zwischendurch kasteie und auf alles Verzichte und dann mir wieder unnötig Kalorien hineinschaufel.

Andere versuchen einen immer wieder dazu zu bringen Süßes und co zu essen und das kann dann zum Problem werden, wenn man gerade wieder versucht ohne Fressattacke zu leben.

Folgeerscheinungen von der Adipositas hatte ich zum Glück nie wirklich. Okay, ich hatte eine Insulinresistenz (Vorstufe vom Diabetes mellitus Typ 2), aber auch diese hat sich wieder normalisiert.

8. Was glaubst du, haben Eigenschaften der Essstörung mit den Eigenschaften der BPS gemeinsam?

Beides ist ein Teufelskreis, aus dem man es schwer hat auszubrechen. Bei Borderline sind es die Gefühle, die eine hohe Anspannung machen und die „Selbstverletzung“  versucht einem von den Gefühlen und der Anspannung runter zu hohlen. Danach kommt aber die Schuld und die Scham, die alles wieder von Neuem beginnen lässt.

Bei der Essstörung sind es auch die Gefühle, die mich dazu zwingen zu futtern. Ich will diese Gefühle wegfuttern. Danach kommt auch der Selbsthass, die Schuld, etc. die wieder an den Gefühlen nagt.

Auch sind beide Erkrankungen sehr stigmatisiert. Und schambehaftet.

 

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7 Gedanken zu „Borderline & Essstörung

  1. Liebe Desweges,
    leider werden übergewichtige Menschen oft stigmatisiert. Ebenso sind insbesondere Suchterkrankungen, zu denen man die Essstörungen im weitesten Sinne auch zählen kann, in den Köpfen vieler Menschen noch mit Begriffen wie ‚Willenlosigkeit‘, ‚mangelnde Selbstdisziplin‘, ‚asozial‘ usw. usw. verbunden. Ein Mensch, der chronisch krank ist, z. B. unter Diabetes leidet, wird seine Erkrankung nur im Griff haben, wenn er sie versteht und sich entsprechend verhält. Natürlich kann ein Süchtiger oder Essgestörter nur genesen, wenn er sich mit seiner Sucht und dem, was dahinter steht, auseinandersetzt und aktiv daran mitwirkt, seine Erkrankung zu stoppen. Trotzdem bleibt die Essstörung ebenso wie Deine Borderline-Störung eine Erkrankung. Du hast es Dir sicherlich nie im Leben gewünscht, ein Leben mit Borderline zu führen. Deshalb finde ich es toll, zu sehen, wie Du die Verantwortung für Deine Genesung übernimmst und ein bisschen traurig, dass Du nicht immer die Unterstützung und Anerkennung dafür erhälst, die Du brauchst.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft.
    LG Trina

    • Danke dir Trina ❤ .
      So ist es. Nur leider sehen das nicht viele. Man wünscht sich keine Erkrankung und eben psychische Dinge sind für die Menschen oft noch schwerer zu verstehen als andere Dinge, weil man es nicht so sieht wie andere Erkrankungen.
      Ich versuche das Beste daraus zu machen und haben auch das Gefühl, das ich seit 2010 enorm viel dazu gelernt habe. Klar ist das sehr wenig, für das was mir sicher noch bevor steht, jedoch hat sich einiges zum Positiven verändert.
      Es kostet viel Kraft, Irrwege und Umwege, aber auch ne Schnecke kommt zum Ziel 😉
      LG desweges

      • Na ja, man wird ja auch nicht über Nacht krank und viele psychische Erkrankungen entwickeln sich lange Zeit unbemerkt. Hinzu kommt, dass tiefe Verletzungen länger brauchen um zu heilen und meist auch größere und empfindlichere Narben hinterlassen. Du wirst Deinen Weg sicherlich gehen! Gib Dir selbst die Zeit, die Du brauchst um zu heilen.

        LG Trina

  2. Ich weiß nicht wie es dir momentan mit dem Essen geht, aber ich möchte dir auf jeden Fall sagen: Du bist nicht allein!
    Meine Hauptdiagnosen sind Essstörungen, trotzdem habe ich auch mit Depressionen und Angstzuständen zu tun. Ich denke, dass sich die Psyche Wege sucht mit dem Leben fertig zu werden. Die Krankheiten sind nur das Symptom, was dem Problem zugrunde liegen.

    In meiner Umgebung gibt es auch niemanden, der mein Essproblem wirklich versteht, auch wenn sie es versuchen. Ich hasse es, dass nur Essstörungen wie Magersucht und Bulimie gesellschaftlich anerkannt werden. Sie sagen Menschen mit Normalgewicht oder Übergewicht sind doch nicht essgestört, sondern einfach undiszipliniert 😦

    • Danke dir. Im Moment akzeptiere ich es das ich es gerade nicht schaffe abzunehmen. Beruflich ist es gerade wieder viel. Da arbeite ich gerade wieder ziemlich am Limit meiner Kräfte. LG desweges

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