Borderline & Gefühle

Borderline und Gefühle

Mal ein sehr spannendes Thema. Zumal Gefühle bei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung – Borderline Typ ja ne entscheidende Rolle spielen.

1. Würdest du deine Gefühlswelt im Allgemeinen als eher positiv oder eher negativ bezeichnen? Welche Gefühle spielen in deinem Leben eine besondere Rolle?

Eine sehr schwierige Frage, denn es gibt sicher beide Seiten. Da kommt sicher auch wieder das schwarz weiß Denken durch. Mal gibt es Phasen in denen ich das Gefühl habe, das es nur negative Gefühle gibt und diese dann enorm viel Raum einnehmen, und dann gubt es auch Phasen, in denen positive Gefühle überwiegen und man den unangenehmen Gefühlen wenig Kraft gibt.

Durch Achtsamkeit und auch durch die DBT habe ich gelernt mit meinen Gefühlen besser umzugehen. Umzugehen bedeutet, das sie mich nicht mehr so vereinnahmen wie auch schon oder eben impulsiv handeln lassen. Es ist sicher bei weitem nicht gut, denn alte Verhaltensmuster sind stark eingeprägt, aber es wird. Da bin ich ganz optimistisch.

Ich würde meine Gefühlswelt als chaotisch beschreiben. Wie es im Aufklärungsbuch „Mama, Mia und das Schleuderprogramm“  für Kinder geschrieben ist trifft es mit der Waschmaschine ganz gut. Denn es gibt da nicht nur die Angst, oder die Scham, oder die Schuld. Nein es ist ein Gemisch aus ganz vielen einzelnen Gefühlen.

Recht schwierig ist es dadurch, das manchmal alte Verknüpfungen wieder aktiviert werden und manche Gefühle gar nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben. Man empfindet zum Beispiel Schuld, obwohl die aktuelle Situation gar kein Anlass dazu gibt, aber durch frühere Erfahrungen das Gefühl aktiviert wurde.

Eine große Rolle in meinem Gefühlschaos spielen: Schuld, Scham, Trauer, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Allein sein, Angst, Wut / Ärger, Enttäuschung,…
2. Kannst du Gefühle gut wahrnehmen, sie benennen und beschreiben? Gibt es Gefühle, die du besser identifizieren kannst als andere?

Inzwischen würde ich behaupten das ich das ganz gut kann. Schwierig ist es immer noch, wenn der innere Dampfdrucktopf zu viel Druck hat. Wenn sich zuviele Dinge angestaut haben und man innerlich schon komplett angespannt ist, weil man alles nur runter geschluckt hatte um die unangenehmen Gefühle weg zu bekommen.

Angst, Wut und Ärger kann ich inzwischen gut identifizieren. Trauer, Schuld, Scham fallen mir schwerer.
3. Versuchst du, deinen Gefühlen auf den Grund zu gehen? Wenn ja, wie machst du das? Wenn nein, was hält dich davon ab?

Leider versuche ich immer noch oft die Schubladen des Unterbewusstseins zu verschließen wenn was auf geht, weil es oft einfach viel zu schmerzhaft ist. Ich muss im Alltag funktionieren. Funktionieren für die Famlie und auch im Job. Da kann ich es mir nicht erlauben, das mir manche Gefühle den Boden unter den Füßen wegziehen.

Ich weiß, dass das verkehrt ist. Ich weiß, das man Gefühle zulassen sollte und sie lernen anzunehmen, doch das fällt mir noch sehr schwer. Da bin ich noch sehr verkopft mit meinen Glaubenssätzen, die sich gegen manche Dinge ziemlich sträuben und mich unsicher machen. Da ist so ein innerer Kampf mit dem Kopf und dem Verstand.

Hin und wieder traue ich mich in Achtsamkeitsübungen / Meditationen mich in Gefühlssituationen reinzubegeben und zu spüren. Das geht aber nur, wenn es mir psychisch einigermaßen gut geht und ich die Ruhe für mich habe.

Auch sind wir an dem Thema Gefühle in der Therapie dran. Wir schauen woher manches kommen kann, was mögliche Auslöser waren.

Davon abhalten die Gefühle genauer anzuschauen und zu schauen wo die Ursprünge sind tut mich die Angst, dass mich die Gefühle überwältigen und ich nicht mehr Herr der Lage bin. Sei es weil ich disoziiere, oder andere alte Verhaltensmuster wieder aktiv werden,…

4. Akzeptierst du die Gefühle, die du empfindest? Kannst du sie dir immer zugestehen oder verdrängst du sie manchmal bzw. kämpfst du gegen sie an?

Ich bin immer noch sehr oft ein „Dagegen Ankämpfer“, ein „Verdränger“, aber auch ein „Vermeider“. Es fällt mir immer noch oft super schwer Gefühle zu akzeptieren.

Da sind Glaubenssätze die mir einprägten, das man Dinge nicht haben darf, Dinge falsch sind,… Dagegen anzukämpfen, positive Sätze zu formulieren, die diese Glaubenssätze aufheben fällt mir schwer.

Akzeptanz löst schon seit je her Unruhe in mir aus. Etwas wehrt sich dagegen, wobei  ich in ruhigeren Momenten den Sinn der Akzeptanz sehe und es auch versuche und es auch hin und wieder gut klappt.

Vor allem Selbstakzeptanz, wenn es alleine um mich geht – das ist eine harte Nuss! Aber auch da bin ich dran und EFT hilft mir dabei sehr gut.
5. Fällt es dir leicht, mit anderen über deine Gefühle zu sprechen bzw. sie vor anderen offen zu zeigen? Gegenüber welchen Menschen kannst du dich gefühlsmäßig gut öffnen? Und gegenüber welchen auf der anderen Seite gar nicht oder nur schwer?

Nein es fällt mir absolut nicht leicht. Ich bin ein Perfektionist und ein Mensch der kein Vertrauen in die Welt hat und alles mit sich selbst ausmacht oder das Selbst auch mal Zurückstecken muss.

Wenn ich meine Gefühle zeige bin ich angreifbar und verletzlich. Damit ich weniger verletzlich und angreifbar bin trage ich eine Maske, die sehr gut sitzt!

Auf die Frage – von der Umwelt – wie es einem geht – kommt natürlich gut. Meine Maske sitzt, und die sitzt schon sehr lange, perfekt. Die wurde über Jahrzehnte gelernt und gepflegt und auch optimiert. Jede seelische Verletzung trug dazu bei sie noch besser auszutüfteln – zu schauen wo noch Risse bestehen,…

Gefühlsmäßig gut öffnen? Ich denke ich kann es gegenüber keinem so richtig, nichtmal meinem Mann. Das klingt sicher hart, ist aber so. Aber da er ähnliche Probleme hat ergänzen wir uns perfekt😉 Er ist und bleibt mein Sicherheitsanker, aber alles ihm anvertrauen? Stück für Stück – Schritt für Schritt, aber es braucht Zeit.

Meine Eltern wissen sehr sehr wenig über mich von mir. Vor allem von meinem inneren. Die haben sich dafür noch nie wirklich interessiert.

Leute, die sehr bewertend und motzend auf mich wirken, denen kann ich nur sehr schwer Dinge anvertrauen. Da bin ich leider schon viel zu oft enttäuscht worden.

6. Hast du das Gefühl, dass du deine Gefühle zu intensiv wahrnimmst  oder würdest du sagen, dass deine Wahrnehmung von Gefühlen der der meisten Menschen entspricht?

Ich denke ich bin schon recht sensibel gegenüber Gefühlen und Stimmung. Ich merke Spannungen zwischen Menschen und sie sind für mich nur sehr schwer aushaltbar.  Ich denke, das nicht jeder so intensiv alles erlebt.
7. Wirst du oft von deinen Gefühlen übermannt? Und wie handelst du in solchen Situationen?

Nicht mehr so oft wie früher. Mir Pausen zum Atmen und Überlegen einräumen tun mir sehr gut. Es hilft mir weniger Impulsiv zu sein. Ich kann Dinge auch mit kurzer „Verschnaufpause“ nun realistischer sehen. Ich kann mehr zwischen früheren Verletzungen und aktuellen Begebenheiten unterscheiden, v.a. bei solchen, die ich bereits im Skill „Vorsicht Falle“ entlarvt habe.

Auch höre ich mehr auf meine Intuition. Auf mein Bauchgefühl. Ich versuche meinen Bedürfnissen und Grernzen mehr Raum einzuräumen.

 

2 Gedanken zu „Borderline & Gefühle

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