Das Thema Tod verfolgt mich…

Montag und Dienstag war wirklich der absolute Tiefpunkt.

Wie ihr vielleicht auch in den Medien gehört habt ist ein 3 jähriges Kind vom „Stiefvater zu Tode geprügelt“ worden. Für mich war es schon schlimm diese Nachricht am Freitag zu hören, war jedoch für mich noch auf Distanz haltbar (wegen den Emotionen). Als ich jedoch Montag als meine Tochter aus der Schule kam das erste Mal damit konfrontiert wurde das das bei uns im Ort passiert ist war es für mich nicht mehr so „weit weg“. Im Internet fand ich dann noch Bilder mit dem Hof, auf dem es passiert war und dann konnte ich 1 und 1 zusammenzählen. Es brach über mich ein. Ich kannte das Kind, ich kenne den Stiefvater, ich kenne den Hof, ich kenne die Mutter,…

Ich war schockiert, ich war sprachlos, ich war entsetzt….

Alles brach über mich herein. Den Kampf um mein Trauererlebnis mit meiner Oma und dann noch das…. Alles war zu viel…

Selbstverletzungsdruck, Gedanken um den Sinn oder Unsinn des Lebens, keinen Sinn mehr sehen, alles war dabei…

Auch am Dienstag stand ich völlig neben mir. Meine Therapeutin sprach mich drauf an. Erstmal konnte ich gar nicht reden. Irgendwann brach etwas in mir auf und ich musste ersteinmal weinen.

Ganz wild erzählte ich von den ganzen Geschehnissen, die mich die letzten Monate überrollten. Unsere letzte Therapie war Ende Oktober oder so, also verdammt lange her. Es tat gut diesen ganzen Gedankensalat mal loszuwerden und sich verstanden fühlen. Wie gesagt habe ich hier im alltäglichen Leben niemand mit dem ich darüber richtig reden kann. Es war so emotional wie schon lange nicht mehr. Nach der Therapiestunde war ich erschöpft aber auch erleichtert.

Paar Stunden später hatte ich das erste Mal wieder das Gefühl das es mir etwas Erleichterung brachte und es mir langsam etwas besser geht und nicht mehr alles komplett schwar ist.

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Zurück aus der Kur

Schwer das ganze in Worte zu fassen. So schwer, weil ich mir mehr erhofft hatte und viele Erkenntnisse sehr Schmerzen und ein dickes Fragezeichen aufwerfen.

Ich habe einerseits vielen positiven Eindrücken dort erleben dürfen aber ich bin auch mit vielen offenen Themen und Fragen nach Hause „entlassen“ worden. Mir wurde im Abschlussgespräch von psychosozialer Seite gesagt, das ich eigentlich stationär gehen sollte. Eigentlich alleine. Die Traumatas / Trauergeschichte wollten sie hier nicht aufmachen, weil sie Angst hatten, das ich zu instabil werde. Auch soll ich schauen, ob ich nicht emotional abhängig von der Therapeutin bin und ich deshalb das Gefühl habe nicht in die Tiefe zu kommen. Ich soll fragen ob ich evtl. nicht ein anderen Therapeut suchen soll der mit Traumata und Tod / Trauer mehr Erfahrung hat,…

Das ganze habe ich zwar schon ziemlich am Anfang realisiert, das ich dort falsch bin, das ich mit meinen Problemen dort zu komplex bin und das sie in einer so großen Einrichtung da gar nicht ran gehen können von der Personalkapazität aber dennoch hatte ich Hoffnung mir selbst helfen zu können, wenn ich nur mal wieder schaffe runter zu fahren und eine Auszeit zu haben.

War natürlich nicht so, denn es war einfach zu laut und zu viele Menschen und eben eine Mutter Kind Kur, wo auch das Kind Bedürfnisse hat. Angefangen im eigenen Apartment. Draußen, über einem, auf dem Flur – oft Gerenne und Geschreie,… Oder die Reinigungskräfte, die ja nur ihre Arbeit machen – aber man dann flüchtet, weil sie zu zweit im Apartment rumflitzen. Im Speisesaal, wo Kinder ohne Aufsicht rumrennen, schreien, ans Büffet gehen,… ohne das die eigenen Mütter etwas auf die Kinder achten. In den Anwendungen – Gruppen sehr viele Leute, was für mich oft zu viel war. Kein Kinderfreier Rückziehort – auch in der Cafeteria Kinder, die alleine rumflitzen.

Mag sein das es jetzt enorm Kinderfeindlich scheint. Ja, ich habe selber eine Tochter. Jedoch sollte doch jeder etwas auf das Miteinander achten. Und Kinder die nicht raus dürfen, weil es die Mutter zu windig findet toben eben dann dort, wo andere Ruhe suchen. In der Cafeteria, im Speisesaal, im Apartment,… Ich bin mit meiner Tochter viel ans Meer gelaufen, oder in die nächsten Orte, oder war Schwimmen,… Aber manchmal habe ich mich einfach mal nach Ruhe gesehnt.

Die Therapeutin, die ich im Laufe der Kur bekam war toll. Sie hatte eine herzliche, direkte Art. Sie konnte in kurzer Zeit Knackpunkte erkennen und regte zum Grübeln an. Sei es das magische Band zu meinen Eltern, aber auch das mit der Therapie, das es an der Zeit wäre dort zu schauen wie ich weiter komme, das mich manche Dinge nicht mehr so aus der Bahn schmeißen. Das war sehr schmerzlich zu realisieren und hängt mir auch jetzt noch arg nach.

Ich fühle mich, wie so oft im Leben überrumpelt, hilflos, voller Schmerz.

Themen wie die unbearbeitete Trauer wegen dem Tod meiner Oma (besser gesagt Ziehmutter), das unlösbare magische Band zu meinen Eltern, das Kompensieren der Gefühle durch Essen und die enorme Zunahme waren sehr prissante und stark gegenwärtige Probleme wo ich auch nicht wirklich Hilfe in dieser Klinik erfuhr.

Ich habe den Abstand und die Zeit mit meiner Tochter genossen, jedoch habe ich meine Kurziele hier nicht erreichen können. Die Klinik war viel zu groß für mein unruhiges Seelenleben. Erst in der Halbzeit schaffte es mein Körper aus dem Hamsterrad durch die Quarantäne meiner Tochter runter zu fahren. Jedoch kompensierte ich dann, da ich da dann plötzlich stark mit meinen Problemen und Gedanken und Gefühlen konfrontiert wurde.

Vergangenheit lähmt mich

Im Moment verfolgt mich meine Vergangenheit enorm. Ich bin in einem Strudel voller Emotionen und „Bildern“, „Sätzen“,… gefangen die mich richtig lähmen.

Auch kommen lang verschollene Dinge wieder aus dem Unterbewusstsein zum Vorschein, die mir den Boden unter den Füßen wegziehen.

 Ich durchlaufe meine Lebensgeschichte täglich, zum Teil auch mehrfach.

Ich werde inzwischen wieder auch tagsüber von Panikattacken, Hitzewallungen, Unwirklich werden heimgesucht. Das macht mir inzwischen echt Angst.

Kontrolle ist was essentielles für mich. Und im Moment habe ich absolut keine Kontrolle über meinen Körper.

Auch leide ich manchmal richtig unter Verfolgungswahn. Okay, ich kapier, dass das ganze nur in meinem Kopf abspielt, dennoch macht das Angst. Angst das irgendwann nicht mehr zu kapieren. Angst komplett die Kontrolle über mich zu verlieren.

Das schlimme ist, das ich gerade das Gefühl habe mit niemanden drüber reden zu können, weil in mir gerade absolutes Chaos und Unsicherheit herrscht.

Borderline & Umgang mit Stress

1. In welchen Situationen gerätst du besonders schnell und stark unter Stress? Termin und Zeitdruck, wenn ich psychisch labil bin / stärker depressiv bin, bei emotionale Verstrickungen, wenn sich Vergangenes mit der Gegenwart vermischt und ich nicht im hier und jetzt bin, sondern beim Erlebten von früher,…

2. Welche Stresssymptome treten bei dir auf? Unruhe, nicht still sitzen können, Anspannung v.a. Schulter, HWS, Kiefer, beschleunigte Herzfrequenz, schwitzen, kalte Hände / Hitze im Wechsel, oberflächliche Atmung, genervt sein, Fressattacken…

3. Wie verhältst du dich, wenn du weißt, dass dir eine stressauslösende Situation bevorsteht? (z.B.: Vermeidest du solche Situationen? Versuchst du sie so lange wie möglich zu verdrängen?) Zum Teil schon. Ich versuche sie zu umgehen, bzw. auch wenn möglich abzusagen. Auch versuche ich es zu verdrängen.

Es kann auch passieren, das ich mit Symptomen wie Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit reagiere.

Den Stress vorab „wegfressen“ (was ja quatsch ist und auch nicht geht) – ist auch möglich. Das ist dann mein „Verdrängmodus“.

Auch kann ich manchmal unausstehlich zu meinen Mitmenschen sein. Gleich genervt und auch impulsiv, was ich dann oft auch hinterher bereue, aber im Moment nicht sehe.

4. Welche Skills helfen dir in einer extremen Stresssituation? Achtsamkeit – v.a. Atmung, Metalligelball, Kaugummi kauen, Sport davor/ danach (Nordic Walking,…), radikale Akzeptanz

Manchmal ist es auch einfach nur sinnvoll raus aus der Situation zu gehen. Sei es richtig raus oder der Vorwand „ich muss auf Toilette“,…

5. Welche Skills wendest du an, um solch eine extreme Stresssituation zu entschärfen, bevor sie überhaupt richtig entsteht? EFT in Gedanken, Fuß-Gashebelatmung, ACHTSAMKEIT!!!

6. Wie beeinflusst Stress deinen Umgang mit anderen Menschen? (z.B.: Bittest du sie um Hilfe? Bist ihnen gegenüber feindselig und aggressiv?)Leider ja. 😦 Das ist auch das was mich sehr belastet, da ich seh, das ich da so enorm im Verhalten  kippe und in dem Moment es nicht auf die Reihe bekomme, freundlicher, ruhiger und gelassener zu reagieren. Da ist so viel altes an Emotionen, die ich da spüre und leider auch dementsprechend reagiere.

Und danach? Dann kommt die Schuld die mich regelrecht auffrisst. Auch ist es nicht ein Öffentlichkeitsproblem, sondern es trifft immer nur die eigene Familie 😦 Und genau die, die können für den ganzen Mist erst recht nichts 😦

Ich habe so Angst, das dadurch meine Tochter genauso emotional instabil wird wie ich.

7. Wie verhältst du dich, wenn du merkst, dass ein dir nahestehender Mensch in einer extremen Stresssituation steckt? Ich versuche meine Hilfe anzubieten.

Meine Tochter ist da mir sehr ähnlich. Bei ihr versuche ich auch mit Akzeptanz und Umgang mit Gefühlen „zu arbeiten“. Sie weiß oft nicht was sie da gerade so in diese verzwickte Situation bringt.

8.Würdest du dich im Allgemeinen als stressanfällig oder eher als stressresistent bezeichnen? Eindeutig als stressanfällig. Ich nehme auch so viele Dinge meiner Mitmenschen an, das es bei mir schnell geht das das Maß voll ist. Meine Thera meint da immer „ich nehme jeden Ball an“. Und sie hat Recht. Auch wenn ich was nicht verbockt habe, habe immer ich das Gefühl ich muss das wieder „beheben / richtig machen“.

Nein sagen / ablehnen ist was, was mir immer noch sehr große Probleme macht. Leider merken das auch oft meine Mitmenschen, so das ich auch oft in meinem Leben „ausgenutzt“ wurde.

9. Denkst du, dass Borderliner größere Probleme beim Umgang mit Stress haben als andere Menschen?Ich denke sie sind anfälliger dafür, da Borderline Patienten ja schon sowieso Probleme mit Anspannung haben und eigentlich ständig als „Porsche“ unterwegs sind. Die Anspannung ist oft unerträglich.

Leider lösen Stressreaktionen ja so gut wie immer negative Emotionen aus, und die triggern oft auch irgendetwas.

Und auch braucht es bei Borderline Patienten oft einiges länger, bis sie sich wieder von einer solchen Situation erholt haben und wieder alles okay ist. Geht mir auf alle Fälle oft so.

10. Was war in deinem Leben die bisher größte konkrete Stresssituation? Da gab es so einige in meinem Leben. Leider! Eine sehr heftige Stresssituation war der Tod meiner Oma – was mich bis heute noch sehr stark belastet. Und das ist nun schon fast 22 Jahre her.

Update

Wusste keine bessere Überschrift.

Das Gespräch mit der Frau vom Jugendamt habe ich hinter mich gebracht. Es war kurz – darüber war ich froh. Das war wohl ein Pluspunkt für mich, da wir uns schon kannten. Auch musste meine Tochter nicht dabei sitzen, konnte draußen spielen und wir besprachen nur was sich seit dem letzten Gespräch verändert hat.

Jetzt steht in etwas mehr als einer Woche noch das Hilfeplangespräch an, wo es dann um die spezielle Hilfe und Ziele geht. Da soll jeder für sich (unsere Tochter, mein Mann und ich sich Gedanken machen). Da ist auch unsere SPFH dabei.

Ansonsten habe ich mich die letzten Tage sehr viel abgelenkt mit Sport und Bewegung. Das tut so gut und ich habe es geschafft dank meines neuen Utensils jeden Tag über 10000 Schritte zu gehen. Auch meine Tochter ist sich viel mehr am bewegen. 🙂 Und wir machen das gemeinsam und können quatschen  – ungestört, da mein Mann da nicht mit geht. Heute haben wir uns den Hund unserer Nachbarn ausgeborgt. Das machen wir nun öfters.

Ich merke das es wieder aufwärts geht. Da bin ich froh drum. Meinte zu meiner Therapeutin auch schon, das ich am liebsten wieder die Medikamente runter schrauben würde, aber das soll ich doch bitte noch lassen, das es gerade ziemlich heftige Themen in der Therapie gibt. (Hat sie ja recht – nur da ist so was…. das mit dem Kopf durch die Wand will *grummel*) Werde es beobachten. Und bald habe ich auch wieder einen Termin bei der Psychiaterin.

Die Schichten meiner Psyche, wie sie es immer so nennt, werden immer mehr abgetragen. Verstehe Zusammenhänge zwischen meinem Verhalten im Hier und Jetzt (sei es Familie, Freunde, Beruf,…) immer besser. Ob das gut ist? Hm? Im Moment finde ich das ganz schön heftig. Merke wie ich auch immer wieder Fluchttendenzen habe. Versuche immer ganz schnell das Thema zu wechseln. Sei es in Dingen die ich erledigen sollte, beim Aufräumen, beim Buch lesen – fange zehn an und springe hin und her; was auch immer. Das ist richtig typisch für mich. Interessant wenn ich es schaffe das zu beobachten.

Sozialpädagogische Familienhilfe

Ich habe lange hin und her überlegt. Ich habe lange mit mir gehadert diesen Schritt erneut zu gehen.

Jetzt steht es aber fest und es ist im „Gang“. Ich schaffe es alleine nicht. Ich fühle mich nicht stark genug für die Erziehung unserer Tochter. Mein Mann ist unter der Woche sehr viel und lange beruflich unterwegs und ich alleine.

Ist ja nicht so das ich gesund oder stabil bin. Ne, eben nicht. Und das macht alles noch komplizierter. Zudem bin ich in der Therapie gerade in einer heißen Phase. Jetzt geht es gerade richtig an das eingemachte. An die Vergangenheit und die Traumatas.

Für sich zu schwimmen und gerade so über Wasser / und am Leben zu halten das geht. Aber wenn es dann noch um das Kind geht!?

Sie ist und bleibt ein Spiegel meiner Seele. Wenn es mir nicht gut geht dann fällt ihr alles mögliche ein. Oft verfrachtet mich das dann in Situationen aus meiner Vergangenheit und ich bin einem Film gefangen und fühle mich unfähig klar zu handeln.

Der Gedanke “ Jugendamt“  war 2012 schon Horror für mich. Es hat sich nicht sonderlich gebessert, dennoch bin ich diesen Weg gegangen. Ich will einfach Hilfe für uns, damit ich es alleine schaffe. Nicht viel, aber paar Stunden alle paar Wochen. Unsere ehemalige SPFH weiß bescheid. Sie wird auch wieder zu uns kommen 🙂 Morgen steht aber nun erstmal der Termin mit der Frau vom Jugendamt mir bevor. Alleine. *Bammel hab* (Horrorgedanken mit Kind wegnehmen im Kopf) – was ich weiß das es quatsch ist, aber dennoch vereinnahmt mich die Angst!