Opferrolle – wie kam ich rein, wie komme ich raus?

Opferrolle – wie kam ich rein, wie komme ich raus?

Ich merke immer wieder wie ich in diese blöde Opferrolle komme und ich (noch) keinen Ausweg heraus sehe. Ich habe es satt diese Rolle einzunehmen. Ich will frei sein, ein gleichberechtigter Mensch. Egal ob im Beruf, in der Familie, bei Freunden oder Bekannten.

Wieso trifft es so oft mich? Was tu ich? Was tu ich nicht, damit mir das immer und immer wieder passiert?

Es heißt ja so schön. Für alles was man tut hat man selbst die volle Verantwortung. Da stellt sich dann für mich die Frage – was mache ich, damit ich immer wieder in solche Situationen komme?

Was hindert mich daran mich auf gleicher Augenhöhe wahrzunehmen? Was zwingt mich innerlich dazu immer klein beigeben, die Maus zu spielen und das Spiel zu verlieren? Wieso schaffe ich es nicht in Konfliktgesprächen die Ruhe zu bewahren und klar Grenzen aufzuzeigen, wenn es meine Grenzen verletzt? Wieso schaffe ich es nicht in dem Moment durch Argumente dem anderen den Wind aus den Segeln zu nehmen?

In welche Fallen tappe ich immer wieder?

Fand hier ein sehr toller Artikel dazu: www.psycho-holstik.de/raus-aus-der- opferrolle.html

Bei mir ist es meist eine Kombination aus mehreren. Mir bekannte Fallen sind:

a) Zum einen geht es um Vorwürfe und Anklagen

Ja, da bin ich in meiner „Vorsicht Falle“ (siehe Skill in der DBT Therapie)  gefangen. Es waren meine Eltern, vor allem mein Vater, der mir oft – z.T. unbewusst – die Schuld zu schob. Ich möchte nicht sagen –  ich bin das Opfer – er hat es von seinen Adoptiveltern sicher auch nicht anders mitbekommen. Ich versuche diesen Teufelskreis zu durchbrechen, indem ich an mir und meinem Verhalten (auch meiner Familie gegenüber) arbeite.

Es ist wirklich so das da eine ganze Maschinerie in Gang tritt. Zum einen ist es überhaupt die Frage: Was habe ich getan? Wieso bin ich schuldig?

Zum anderen gibt es da den inneren Kritiker, das Teufelchen das einem immer und immer wieder ins Ohr sagt. So ist es – du hast die Schuld! Und darunter leidet dann auch wieder der Selbstwert.

In dieser Falle kann ich mich auch nicht von der Emotionalität distanzieren. Mir kommen da super schnell die Tränen. Ich habe das Gefühl, das mich da meine Gefühle völlig lähmen. Ich habe es dann nicht mehr unter Kontrolle und schaffe es mich auch nicht mehr entgegengesetzt zu denken, handeln, Körperhaltung. Das entgegengesetzte Handeln ist das einzige was ich umsetzen kann. Ich kann inzwischen in der Situation bleiben und schaffe es nicht zu dissoziieren . Auch greife ich mein Gegenüber auch nicht an. Ich verhalte mich ruhig, versuche dennoch die Situation schnellstmöglich hinter mich zu bekommen.

b) dann sind es Unterstellungen, die mich in die Falle katapultieren

Zum Teil werden Fehlinformationen verbreitet (absichtlich oder auch unabsichtlich mangels Recherche)

In diesem Fall muss ich aufpassen, das ich nicht in etwas trotziges reinfalle. Ich muss aufpassen, das nicht ein Kindanteil da denkt „jetzt ist eh alles egal“ – und dann anfängt zurück zu schießen.

c) Es können auch ständige Wiederholungen des Gegenübers sein, die  noch mehr Schuldgefühle in mir wecken und die Emotionalität dann  zunimmt.

d) wenn es dann auch noch persönlich oder intim wird und das in einem Rahmen wo es einfach nicht hingehört. Ich meine wenn nicht nur unter 4 Augen gesprochen wird sondern noch Arbeitskollegen dabei sind, die von einer Krankheit oder so nichts wissen und auch nicht wissen möchte. Da kommen dann Gefühle wie Scham, Enttäuschung, Wut und Ärger mit ins Spiel.

e) man alleine dasteht und mehrere die Meinung des Gegenübers unterstreichen, weil er sich zuvor Verbündete gesucht hat und man zuvor nichts davon wusste. Da verstärkt sich in mir das Gefühl, das ich sowieso Hilflos bin und keine Chance habe irgendetwas dagegen zu unternehmen.

Ich habe immer wieder das Gefühl, das ich durch meine Therapie sehr viel im Umgang mit Menschen gelernt habe. Ich habe gelernt wie wichtig es ist Stärken hervorzuheben, Dinge wahrzunehmen und das zu äußern. Ich kenne Validierung und Invalidierung. Ich weiß wie sich beides anfühlt, v.a. weil ich von klein auf gewöhnt war invalidiert zu werden. Das bedeutet alles ist falsch, nicht recht, ich bin falsch wie ich bin, ich sollte anders sein.

Auch Achtsamkeit hat mir sehr viel gebracht, nur leider halten wohl davon die wenigstens Menschen etwas. Traurig aber wahr. Es wird unnötig oft bewertet und manipuliert und man hat kaum eine Chance da Aussteigen, wenn man nicht als Außenseiter gelten mag. Wenn man seine Bedürfnisse und Gefühle äußert fangen andere gleich an durch das bewerten zurück zu schießen und das oft auf eine unschöne Art und Weise.

Die Gesellschaft ist auf Leistung und Konkurrenz aus. Es gibt überall den „Boss“ und die „Untertanen“ – sei es auf Arbeit – auch wenn eigentlich alle den gleichen Rang hätten, in der Schule oder wo auch immer.

Das ganze hier soll für mich dienen, damit ich es in meiner nächsten Therapiestunde ansprechen kann. Auch würden mich eure Meinungen interessieren. Wie seht ihr das?

Vielleicht werde ich auch Passwortgeschützt demnächst ein aktuelles Beispiel zu dieser „Opferrolle“ bringen. Wer es lesen mag hinterlässt dann ein Kommentar. Ich werde mich dann bei euch per Mail melden.

Zwischenmenschliches – wie es mich immer wieder in Stress versetzt

Das ist mal wieder ein typischer Fall in meinen Interaktionen mit anderen. Hatte heute Nacht sogar ein Alptraum deswegen, obwohl ich etwas gegen Alpträume als Medi habe.

Manches geht mir so nah, das ich mich gedanklich und emotional nicht distanzieren kann. Und durch frühere Erfahrungen beziehe ich alles auf mich und reime mir irgendetwas zusammen.

Vielleicht zum Anfang paar Erklärungen hier. Ich war vor einigen Jahren und in der Schulzeit Mobbingopfer. Somit beschäftigen  mich Konflikte sowieso gern, v.a. nachts. 

Jetzt wollte ich auf Arbeit meine Prozentzahl erhöhen, weil es mir

a) psychisch einiges besser geht – ich nicht weiß wann es mir überhaupt so mal ging

b) meine Tochter größer wird / ist und in der Schule ist und ich so gut wie zu Hause bin, da ich überwiegend nachts oder am Wochenende arbeite.

c) ich das Geld gut gebrauchen könnte.  War mir schon am überlegen einen anderen 2. Job zu suchen (das aus Grund b und c)

und auf Arbeit gerade Personalmangel herrscht, keiner wirklich eingestellt wird oder die dann nichts sind und wieder gehen und man doch einspringen muss. Ich habe somit das Angebot gemacht. Jetzt wird aber ständig nochmals wegen diesem oder jenem nachgefragt. Zuletzt ging es dann auch über meine Erkrankung und ob ich meine Grenzen kenne und ob ich im Team arbeiten kann. Da wurde ich dann innerlich ziemlich misstrauisch. Als dann noch ein baldigen Termin angesetzt wurde um mit allen Beteiligten drüber zu sprechen und auch die obersten Chefs  der Arbeit da sind ging meine „Hirnwichserei“ (- tschuldigt für den Ausdruck – find den aber passend für mein Gedankenwirrwarr. ) erst richtig los.

Ich bin im Moment eigentlich stabil, aber da merkte ich dann wie dieses gedankliche Chaos mich dazu bringt wieder mehr dysfunktional zu denken. Ich habe nichts umgesetzt, aber es kostete jede Menge Arbeit an mir!

Wie komme ich aus dem Gespinne raus? Eigentlich würde ich mich am liebsten vor diesem Termin in naher Zukunft drücken. Flucht war immer schon mein Weg.  Ich bin schon soweit, das psychosomatische Beschwerden wegen dem ganzen hinzukommen. Nicht schön. Solang ich aber nur negativ denke wird das leider auch nicht besser. Ich muss nun durch Skills wie Vorsicht Falle, Orientierung auf Ziel, Beziehung und Selbstachtung, Arbeit an den Grundannahmen / Glaubenssätzen schauen was mich unterstützen kann das ich positiver an das ganze und vor allem „ruhiger“ an die Sache rangehen kann. So bin ich wieder das kleine, stille Mäuschen, das ganz viel Angst vor den vielen, vielen Katzen hat und so nichts mehr sagen kann, die Hälfte vergisst und vor allem sich nicht produktiv durch Argumente wehren, bzw. behaupten kann.

Habt ihr mir noch eine Idee? Dummerweise ist meine Therapeutin nun krank. Eigentlich wollte ich es mit ihr besprechen, weil mich das echt überfordert und die Zeit mir rennt.

Über das Modul „Umgang mit Gefühlen“ der DBT Therapie

Umgang mit Gefühlen

Über das Modul „Umgang mit Gefühlen“ der DBT Therapie:

Borderline Patienten bzw. emotional instabile Persönlichkeiten haben besonders Schwierigkeiten in diesem Bereich. (Störung der Gefühls-Regulation).Die Gefühle, die sie haben (können positive wie negative bzw. angenehme wie unangenehme Gefühle sein) sind entweder zu heftig, oder sie dauern zu lange an. Um in einer Situation adäquat zu reagieren, ist es aber wichtig das sie wissen, das wir die Intensität der Gefühle steuern können. Oft wird aus der Impulsivität heraus gehandelt, was langfristig jedoch oft Konsequenzen für die Patienten hat und somit Probleme verursacht.

Wieso haben wir Gefühle? Wieso brauchen wir Gefühle?
– um mit anderen zu kommunizieren
– um lebendig zu sein
– bringen uns Informationen über unsere Umwelt
– um zu verstehen was mit uns / anderen los ist
– Empfindlichkeiten auszudrücken, Körperreaktionen, Mimik und Gestik
– Sie motivieren uns zum Handeln
– Sorgen dafür im sozialen Gefüge zu leben
– Geben komplexere Informationen über uns
– Zeigen uns was wir wollen oder nicht wollen (Bedürfnisbefriedigung)

Ziele des Moduls:
– Gefühle wahrzunehmen und zu beschreiben
– Weg von „positiven“ und „negativen“ Gefühlen zu „angenehmen und „unangenehmen“ Gefühlen.
– Die Bedeutung der Gefühle erkennen und ihre Auswirkungen verstehen lernen.
– Emotionale Verwundbarkeit verringern (siehe Skill ABC Gesund)
– Positiven Gefühlen mehr Raum geben
– Emotionales Leiden vermindern

Wichtig ist es, das man verstehen lernt, dass man nicht das Gefühl ist, sondern man ein Gefühl hat. Das bedeutet, das wir handeln können. Wir entscheiden ob wir einem Gefühl nachgeben, bzw. dem Handlungsimpuls folgen, oder wir erst mal das Gefühl abschwächen damit wir auf die Situation adäquat reagieren können.

Welche Skills gehören in dieses Modul?
– Gefühle abschwächen (durch die Benutzung der 4 Bereiche des emotionalen Netzes)
– Vorsicht Falle
– Fakten überprüfen
– Emotionssurfing
– ABC Gesund
– Glaubenssätze relativieren
– Problem lösen: Stop Denken

Emotionen …
– sind automatisierte Reaktionen auf innere und äußere Reize oder Informationen
– drängen uns auf etwas zu tun (Handlungsimpuls)
– sind kurz und rasch wechselnd / Stimmungen sind länger andauernd und stabiler.
– starke Emotionen entwickeln starken Handlungsimpuls bzw. -druck.
– beeinflussen andere Menschen durch Wiedergabe der Emotion in Mimik, Haltung und Gestik

Weitere interessante Infos:
– Gefühle sind sehr subjektiv, d.h. jeder kann die Emotion in einer Situation anders deuten, je nach seiner Vorerfahrung.
– Gefühle sollen kein Stempel bekommen – sonst kommt das vorherrschende Gefühl als „nicht stimmig“ rüber und ist das invalidierend.
– Es gibt bei Gefühlen kein richtiges oder falsches Gefühl!!!
– Bei Gefühlen, wenn man diese betrachtet ist man oft im bewerten
– Je mehr angenehme Situationen und Gefühle geschaffen werden, desto mehr Glückshormone werden im Körper ausgeschüttet.
– Das Gehirn ist auf Belohung aus.

Wie funktioniert unser emotionales Netz?
Evolutionstechnisch taucht zuerst:
1. das Gefühl, dann
2. die Körperreaktion, dann
3. der Gedanke zum Gefühl bzw. zur Situation auf.
Das ganze läuft aber in Millisekunden ab!

Durch das Denken kann man aber auch Gefühle beeinflussen.

Ein Gefühl bzw. eine Emotion die wir haben, löst in uns folgendes aus:
Es gibt 4 Komponenten.

a) Wahrnehmung:
Wir deuten die Dinge entsprechend des Gefühls. Das bedeutet z.B. das wenn man Angst hat, auch Dinge, die eigentlich harmlos sind uns als Bedrohung vorkommen.

Die Angst z.B. ist am Anfang diffus da. Sobald wir aber etwas sehen, wird dieser Gegenstand, diese Person für uns bedrohlich.

b) Denken:
Hier wird unser Gedächtnis abgerufen. Es werden alte, passende Erinnerungen zu diesem Gefühl abgerufen. Je stärker das Gefühl ist, desto stärker werden auch die Erinnerungen und desto mehr werden wir durch diese auch im Denken eingeengt.

Manchmal kann es sein das es auch erst später zu diesen Erinnerungen kommt; also das es Zeitverzögert ist.

c) Körperreaktionen:
Das können ganz unterschiedliche Reaktionen sein. Zum einen Muskeln, die sich z.B anspannen und sich dadurch die Körperhaltung verändert, Herzveränderungen (z.B. beschleunigter Puls), Atmung die sich beschleunigt oder verlangsamt, Schwitzen, Magen- und/ oder Darmprobleme,…

Wichtig ist dran zu denken das die nonverbale Kommunikation einen sehr großen Prozentsatz ausmacht. Auch das Denken beeinflusst bereits unsere Körperreaktionen!

d) Handlungsdrang:
Jedes Gefühl gibt uns ein Handlungsimpuls vor.

Ganz wichtig ist es sich bewusst machen, das es uns frei steht dem Handlungsimpuls, zu folgen oder wir bewusst anders handeln. Sei es ein Gefühl abschwächen oder entgegengesetz handeln!

Am Handlungsimpuls und den 3 anderen Komponenten (Wahrnehmung, Körperreaktion, Gedanken), erkenne ich welches Gefühl ich habe! Diese 4 Komponenten spielen immer eine Rolle wenn es um Gefühle geht.

Siehe anderer Beitrag von mir – als PDF Datei!!!

Wichtig ist auch zu wissen , dass man nicht dem Gefühl entgegengesetzt handelt, sondern dem Handlungsimpuls!

Die Intensität (Stärke des Gefühls) hängt davon ab, wie viele der 4 Komponenten (a-d) gleichzeitig aktiviert werden. Durch das entsprechende Handeln in den 4 Bereichen kann ich also ein Gefühl verstärken, bzw. abschwächen!!!

Ziel ist es sich dies bewusst zu machen. Okay, ich bin in Bezug auf meine Emotionen / Gefühle sehr instabil. Das ist ein Teil von meiner Persönlichkeit – mein wunder Punkt – dafür kann ich nichts. Ich muss aber lernen, das ich mich deshalb nicht auch noch selber fertig mache, mich bestrafe. Ich muss versuchen dem neutral gegenüber zu stehen und mit mir liebevoll versuchen umzugehen! ❤

Es ist wichtig das Gefühl nicht zu unterdrücken, nicht versuchen es „weg zu machen“. Es geht nur darum das man die Situation unter Kontrolle behält.
Ziel ist es nicht in etwas „passives“ zu verfallen, weil das Gefühl einen lähmt, nein es geht um das Handeln in abgeschwächter Form, damit das Handeln überhaupt noch möglich ist.
Passivität würde in eine Teufelsspirale führen und früher oder später zum sozialen Rückzug.

Merke:
Kontrolle über das Gefühl zu behalten zeigt Professionalität!
Dein Gegenüber kann nicht deine Gedanken lesen 😉 !!!

Unangenehme Gefühle verstärken erfolgt erstmals oft unbewusst. Wichtig ist sich das bewusst zu machen.
Kurzzeitig kann das Gefühl zugelassen werden (achtsames wahrnehmen und beobachten und beschreiben) aber die Zeit begrenzen um somit die Kontrolle darüber zu behalten.
Von Leid spricht man, wenn man sich ganz dem unangenehmen Gefühl hingibt und somit die Kontrolle über die Situation verliert, durch seine eigene Passivität.
„Emotionen sind wie Güterzüge, also Maschinen, die in eine bestimmte Richtung fahren und die man beladen kann. Mit was man sie belädt, das ist sehr unterschiedlich.“ (aus Infoblatt 8A, Umgang mit Gefühlen, Interaktives Therapieprogramm für Borderline-Patienten, Bohus/Wolf, Schattauer Verlag.) Das bedeutet, das Gefühle und ihre Handlungen auch durch soziale Umstände geformt werden.

Um das Gefühlsprotokoll zu verstehen hier, die Erläuterungen zum spezifischen Emotionsmodell:

typische Auslöser und Interpretationen:
– durch sie können Gefühle aktiviert werden
Die Auslöser sind uns nicht immer sofort bewusst.
– Nicht immer ist das Gefühl berechtigt. (Kann evtl. auch zum sekundären Gefühl gehören, das über ein Glaubenssatz – siehe auch Vorsicht Falle – aktiviert wurde.)

Körperreaktionen:
– viele Gefühle haben spezifische Körperreaktionen
– Es ist hilfreich die Körperreaktionen zu kennen. Dadurch lässt sich das vorhandene Gefühl rasch erkennen und so zügig (wenn nötig) durch entgegengesetzte Körperhaltung abschwächen.

Wahrnehmung:
– Das Gefühl steuert in gewissem Maße auch unsere Wahrnehmung und die Auswahl der Dinge, die wir dann nur noch sehen.
– Auch die Bedeutung, die wir den Dingen dann zumessen wird vom Gefühl und unseren Erfahrungen bestimmt.

Handlungsdrang:
– Ist der eigentliche Sinn des Gefühls.
– Häufig wird erst der Handlungsdrang oder der Handlungsimpuls wahrgenommen, bevor wir das Gefühl wahrnehmen.

Siehe auch meine PDF Datei: Gefühl & Handlungsimpuls

Ausdruck:
Das Gefühl steuert auch die Mimik und die Gestik.

Häufige Folgegefühl:
– Häufig lösen Gefühle auch automatische Gedanken aus, die uns oft nicht bewusst sind.
– Die Bewertungen die diese Gedanken uns aufdrängen führen häufig uns in ein sekundäres Gefühl (siehe auch Vorsicht Falle und Gefühlskarussell), was jedoch nicht mehr zur aktuelle Situation passt.

Es gibt 3 Möglichkeiten wie ein Gefühl uns zum Problem wird:
1. Das Gefühl gehört zum sekundären Netz, was wir über ein Glaubenssatz aktiviert haben. Das Gefühl passt somit nicht zur aktuellen Situation. Siehe Skill: Vorsicht Falle
2. Das Gefühl ist zwar berechtigt, aber zu intensiv. Das kann dazu führen, das wir nicht passend handeln können. Gefahr des Kontrollverlust. Abschwächen des Gefühls ist von Vorteil!
3. Das Gefühl ist gerechtfertigt, aber der Betroffene wehrt sich dagegen, die entsprechenden Konsequenzen zu tragen. Als Beispiel: Trauer wird blockiert. Das wirkt jedoch nur kurzzeitig. Evtl. bricht so eine Depression irgendwann aus.

Wann ist das Gefühl gerechtfertigt?Ein Gefühl ist immer eine subjektive Angelegenheit und die Empfindung variiert von Person zu Person, je nach deren Vorerfahrungen.

Ich muss überprüfen:
1. ob ich das Gefühl unter Kontrolle habe?
2. gehört das Gefühl zur aktuellen, gegenwärtigen Situation.
Skill: Vorsicht Falle
3. Kann ich die Konsequenzen meiner (dem Gefühl passenden) Handlung kurzfristig wie auch langfristig tragen? Will ich diese tragen? Und füge ich dadurch keinem ungewollt Schaden zu?

Wenn eines dieser 3 Fragen mit NEIN beantwortet wird muss das Gefühl abgeschwächt werden!!!

Der Skill Held des Alltags kann dabei eine Brücke bilden um eine distanzierte Sichtweise zu bekommen.

Wie funktioniert das Gefühl abschwächen – wie mache ich das?
Wie bereits gelesen, besteht das emotionale Netz aus 4 Komponenten:
– Wahrnehmung
– Denken
– Körperreaktionen
– Handlungsdrang / Handlungsimpuls

Je mehr dieser Komponenten nun entgegengesetzt dem Gefühl ausgeführt werden, desto weniger Kraft hat das Gefühl. Es wird dann umso schwächer.

Das bedeutet man versucht:
– entgegengesetztes Handeln (gegen den Gefühlsimpuls handeln)
– entgegengesetztes Denken
– entgegengesetzte Körperreaktion

Wichtig ist nicht dem Gefühl entgegengesetzt handeln, sondern dem Handlungsimpuls des Gefühls.
Das bedeutet nicht aus Wut – Freude machen, sondern ruhig bleiben, positiv denken, und Handflächen öffnen, leichtes Lächeln versuchen,…

Siehe auch im Skill Gefühlsprotokoll bzw. VEIN AHA.

Nochmals als kurzen Check was zu tun ist wenn ich ein starkes Gefühl empfinde:
1. Ich muss das Gefühl (radikal) akzeptieren, annehmen.
Ich beschreibe mein Gefühl (Achtsamkeit) und das was ich wahrnehme.
Dafür ist es auch wichtig analysieren können, was ich denn für ein Gefühl habe!? Das finde ich am Besten über die Handlungsimpulse der Gefühle heraus.
(Siehe PDF Datei – Gefühl & Handlungsimpuls)

2. Prüfe die Fakten am Besten erstmals mit dem Skill: Held des Alltags – das bringt erstmals die nötige emotionale Distanz rein.

3. Wenn das Gefühl nicht berechtigt oder zu stark ist (nach den 3 Fragen, die ich bereits genannt habe) geht es nun um die 4 Komponenten des emotionalen Netzes und dem entgegengesetzten Handeln.

4. Nach dem Abschwächen des Gefühls durch das entgegengesetzte Handeln, sollte ich mir aber anschauen, wieso das Gefühl bei mir eine Krise ausgelöst hat. Dabei kommen folgende Skills in Frage:

a) Vorsicht Falle (wenn sekundäres emotionales Netz im Spiel war / Gefühl nicht zur aktuellen Situation passte)
b) Gefühlsprotokoll / VEIN AHA (wenn Gefühl zu stark war)

Quelle: Interaktives Therapieprogramm für Borderline-Patienten, Bohus / Wolf, Schattauer Verlag, meine Mitschriebe in der stationären DBT Therapie und der ambulanten DBT – Skillsgruppe.
A.R. 2013

Skill – Vorsicht Falle – was ist das?

Vorsicht Falle

Wann macht dieser Skill Sinn?
·Wenn man klären möchte ob man noch die Maus (=hilflos) oder bereits die Katze (man kann sich helfen/ sich wehren, man kann selbst Entscheidungen treffen) ist.
·Das Gehirn sieht die Veränderungen noch nicht. Es handelt nach alten „Erinnerungen“. Man muss neues Verhalten dem Gehirn erst antrainieren!
·Arbeitsblatt immer dann ausfüllen, wenn man bei sich etwas Altes, Vergangenes entdeckt, das sich immer wieder wiederholt. Das bedeutet es kommen immer wieder die gleichen Gefühle auf, die gleichen Gedanken, Körperreaktionen, und Handlungswünsche.
·P.S.: Im alten Manual ist dieser Skill als Realitätsüberprüfung bekannt.
·Durch Grundannahmen / Glaubenssätze, Mythen gelangt man von der gegenwärtigen Wirklichkeit in die vergangene Wirklichkeit. Nicht nur in diese alte Wirklichkeit sondern in dieses sekundäre Gefühl, mit seinen Gedanken (die bereits automatisiert sind), Wahrnehmungen, Körperreaktionen, Erinnerungen und Handlungswunsch /-impuls. Leider passt dieser Handlungsimpuls nicht zur gegenwärtigen Situation und unser Handeln ist demnach oft mit Konsequenzen verbunden, die nichts mit der gegenwärtigen Situation zu tun haben.

Der Vorsicht Falle – Skill hilft:
-zu bemerken wie man die vergangene Wirklichkeit aktiviert hat.
-Zu schauen, wie man von der vergangenen Wirklichkeit wieder in die gegenwärtige Wirklichkeit gelangt.
-Wie man verhindert, dass man in Zukunft ungewollt in die vergangene Wirklichkeit gelangt.

Analysiert wird das ganze wie folgt:
-der „vergangenen Wirklichkeit“ einen markanten, für dich passenden Namen geben z.B. Zwergengefühl, Perfektionismus, Allein sein,…
-Beschreibe die typisch zugehörigen:
a)Gedanken
b)Körperreaktionen
c)Handlungswünsche
-Merke dir ein typisches Erkennungsmerkmal (eines mit dem du es sofort erkennst). – Hier entweder a, b oder c.

Bevor es dann weiter geht, soll man das gegenwärtige Gefühl abschwächen. (Entgegengesetztes Handeln,…)
-Überprüfung der Realität:

a)Was ist an der Umgebung anders als früher?
b)Welche Personen waren früher beteiligt, welche jetzt?
c)Welche Äußerungen haben die Personen früher getan? Welche jetzt? (Hier kann es sein, das es jetzt keine Person mehr ist mit den Äußerungen, sondern der „innere Kritiker“; auch beobachtetes oder Erlebtes kann anstelle Gesagtem stehen)
d)Welche Handlungen haben die Personen genau vollzogen? Was ist der Unterschied zu früher?
e)Über was für Möglichkeiten zu reagieren verfügen sie heute? Was ist der Unterschied zu früher?
Handle entsprechend der Realität, im Zweifelsfall gegen das alte Gefühl!!!

Präventiv wird nun geschaut: Wie verhindere ich ungewollt in die vergangene Wirklichkeit zu geraten:-Man muss die Brücke schließen, indem man den Glaubenssatz, die Grundannahme erkennt, die dahintersteckt. Schreibe diese Gedanken als „knackigen“ Satz auf! z.B.: Grundannahme: „Ich bin nichts wert!“
-Nun wird die Bedeutung dieses Glaubenssatzes hinterfragt:
a)Unter welchen Umständen machten diese automatischen Gedanken einmal Sinn? (Was war der Grund dafür damals?)
b)Was hat sich seither geändert? (Soll als Anker zum Schmeißen für sich selber dienen – z.B. Alter Beziehung, …)
c)Was nützen diese automatischen Gedanken heute noch? (Sichert etwas, man braucht dafür aber feine Antennen)
d)Wann sind diese automatischen Gedanken hinderlich?
e)Wie würden alternative Formulierungen lauten?

Quelle: Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten von Bohus/Wolf, Schattauer Verlag, meine Mitschriebe der DBT Skillsgruppe & stationäre Therapie.
A.R 2013